Trainer Sergej Litter: „Wir prügeln uns nicht“ – Selbstdisziplin ist oberstes Gebot

Combat-Club Finnentrop: Kickboxen optimales Training für Körperbewusstsein

Natalja und Katrin trainieren mit den Kick-pads. Die beiden jungen Frauen wünschen sich noch weitere Trainingspartnerinnen. Foto: Hartmut Poggel

Finnentrop. Kurze Kommandos hallen durch die Turnhalle. Die rund 30 Sportler stellen sich im Viereck auf, aus dem Recorder erklingt Popmusik.

Sergej Litter gibt den Ton an und die Bewegungen vor. Kinder, Jugendliche und Männer zwischen 8 und 40 Jahren sowie 2 junge Frauen laufen auf der Stelle, hüpfen, drehen und dehnen sich. Der „Combat-Club Finnentrop“ ist in der Aufwärmphase. 30 Minuten lang geht das so – einige Gesichter röten sich, aber alle halten durch, kaum eine Trinkpause ist nötig. „Wir machen hier aber nichts unter Zwang. Wer kurz aussetzen möchte, macht das. Niemand wird schief angesehen, weil ihm mal die Puste ausgeht. Wir wärmen in dieser Phase jeden Muskel auf, die Ausdauer kommt mit der Zeit.“

„Combat-Club“ klingt erst einmal sehr martialisch. Der Verein betreibt Kickboxen. Das weckt Assoziationen von wild um sich schlagenden und tretenden Typen, die Spaß daran haben, andere zusammen zu schlagen.

„Wir prügeln uns nicht“, widerspricht Sergej energisch. „Hier geht es um körperliche Fitness, um Selbstdisziplin, um Ausgeglichenheit.“ 40 Mitglieder hat der Combat-Club, vier junge Burschen – Abdul Atilgan, Emre Atilgan, Alexander Weit und Valerij Rudich – treten zurzeit in Wettkämpfen an.

„In der Jugend geht es nach Gewichts- und Altersklassen, ab 18 Jahren wird im Wettkampf dann nur noch nach Gewichtsklassen unterschieden. Aber um überhaupt antreten zu können, brauchst du schon ein Jahr mindestens, um dich vorzubereiten, um so weit zu kommen. Wer sich prügeln will, hält nie so lange durch.“ Und müsste den Club auch sofort verlassen, für Schläger ist dort kein Platz.

„Sehe ich wie jemand aus, der sich prügeln will, oder Kickboxen als Wettkampfsport betreibt“?, fragt Michael, Mittdreißiger, rhetorisch. „Für mich ist das der optimale körperliche Ausgleich zum Beruf, nicht mehr und nicht weniger.“ Die Umstehenden nicken beifällig.

Trainiert wird mit zwei Schlägen, links, rechts, es folgt ein Tritt, eine von vielen verschiedenen Kombinationen – natürlich nicht gegen den Körper, sondern gegen Kick-pads, die der Partner hinhält.

Der Trainer geht immer wieder zu den kämpfenden Paaren, kontrolliert und korrigiert die Haltung, gibt Anweisungen und schaut sich die Änderungen in der Kampfweise an.

Sergej: „Das Faszinierende ist die Koordinationsfähigkeit, die man durch regelmäßiges Training erhält. Es werden so viele verschiedene Bewegungen abverlangt, dass dies schon unvermeidlich zur Körperbeherrschung führt. Du wirst deiner sicher, daraus ergeben sich Ruhe und Gelassenheit, die sich im Alltag bemerkbar machen.“

„Ich will mich auspowern. Ich habe mal ein bisschen geboxt, aber Kickboxen gefällt mir besser, weil ich noch mehr Muskelpartien beanspruche“, sagt ein weiterer Combat-Aktiver.

Und was hat die zwei jungen Frauen, Katrin und Natalja, zu diesem doch immer noch mehr dem männlichen Geschlecht vorbehaltenen Kampfsport gebracht?

Katrin: „Kickboxen stärkt das Körperbewusstsein, strafft die Figur und steigert Selbstbewusstsein und Selbstsicherheit. Für Frauen nicht ganz unwichtig.“ Sie und Natalja wünschen sich noch mehr Mädchen und Frauen, die mitmachen. „Dann könnten wir noch mehr untereinander trainieren“, sagen sie.

Trainiert wird in der kleinen Turnhalle am Finnentroper Schulzentrum. Wer Spaß am Kickboxen hat, kann sich auf der Facebook-Seite des Combat-Clubs informieren.

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