TV Oberhundem in der Krise: 2. Mannschaft tritt zum dritten Mal nicht an – Ausschluss aus Spielbetrieb

Michael Heyna: „Nur 24 Spieler für zwei Teams“

Michael Heyna, Vorsitzender des TVO. Foto: dd

Was ist mit dem TV Oberhundem los? Diese Frage stellten sich bereits in der vergangenen Saison viele Fußballfreunde.

Nach dem Abstieg in die Kreisliga B setzte sich die sportliche Negativserie fort, derzeit liegt das Team von Trainer Mike Kleinsorge bei nur einem Sieg und drei Punkten wieder auf dem letzten Tabellenplatz. Es droht der Absturz in die Kreisliga C. Die 2. Mannschaft, die in der Kreisliga D spielt, trat am Sonntag zum Spiel gegen Rönkhausen wegen Spielermangels zum dritten Mal in dieser Saison nicht an – und musste somit vom Spielbetrieb abgemeldet werden. SauerlandKurier-Mitarbeiter Dieter Dörrenbach sprach mit dem Vorsitzenden Michael Heyna über die Gründe der Misere und die Zukunft.

Was sind die Gründe für die sportliche Misere?

Michael Heyna: Laut Spielermeldeliste sind wir vor der Saison von 43 möglichen aktiven Senioren ausgegangen. Dies hat sich im Nachhinein als viel zu optimistisch herausgestellt. Tatsächlich stehen uns momentan nur 24 Spieler zur Verfügung, inklusive sechs Spieler, die zum Teil bereits in der Ü40-Altliga spielen könnten. Die anderen haben zwar alle einen gültigen Spielerpass, doch bedingt durch Studium oder Beruf und eine auswärtige Wohnung kommt bei den meisten ein Einsatz tatsächlich nur selten in Betracht. Verstärkt wird unsere Misere zusätzlich durch ein unglaubliches Verletzungspech. Allein sechs Langzeitverletzte haben wir, die allesamt zum Stamm der 1. Mannschaft gehörten. Lediglich bei Daniel Kebben (Kreuzbandriss) ist mit einer Rückkehr zu rechnen. Zusätzlich haben uns vor der Saison drei Stammspieler der Ersten verlassen, dem nur ein Neuzugang aus der eigenen Jugend entgegensteht.

Kommen beim TV Oberhundem generell zu wenig Jugendspieler nach?

Heyna: Hier liegt unser Hauptproblem in den letzten Jahren. Lediglich drei Jugendspieler in den Seniorenbereich aufgestiegen. Dies ist natürlich viel zu wenig, um weiterhin qualitativ mithalten zu können. Ein weiterer Grund liegt sicherlich auch in der schlechten Trainingsbeteiligung beider Mannschaften. Nach den vielen und hohen Niederlagen in der Vergangenheit fehlt einfach das Selbstvertrauen. Wichtig wären jetzt einmal Siege.

Wie will der Verein aus der Krise kommen?

Heyna: Natürlich haben wir uns im Vorstand Gedanken gemacht. Im Seniorenbereich soll etwas passieren. Eine kurzfristige Lösung haben wir aber nicht erreicht.

Was bedeutet die automatische Abmeldung der 2. für die 1. Mannschaft?

Heyna: Seit dem letzten Wochenende wissen wir, dass es definitiv für zwei Mannschaften nicht reicht. Welche Auswirkungen die Streichung für die 1. Mannschaft hat, wird sich zeigen. Der Vorstand wird mit allen Betroffenen reden, um am Ende eine vernünftige Lösung zu finden.

Der TVO ist ein Traditionsverein mit vielen Erfolgen. Erlebt der 107 Jahre alte Club mit seinen fast 600 Mitgliedern derzeit die schwerste Krise seiner Geschichte?

Heyna: Ja, die Situation ist leider so. Beim Aufstieg vor drei Jahren sah die Welt noch anders aus. Aber gerade uns haben die Folgen des demografischen Wandels schneller eingeholt als erwartet. Junge Menschen zieht es von Oberhundem berufsbedingt weiter weg. Oberhundem ist ein gutes Beispiel dafür, wie es in Südwestfalen in vielen Dörfern aussieht. Die Landflucht ist nicht zu verleugnen. Fehlende Jugendliche bedeuten zwangsläufig auch weniger potenzielle Spieler für die heimischen Vereine. Außerdem ist der TV Oberhundem für auswärtige Spieler nicht interessant, da es bei uns kein Geld zu verdienen gibt. Am Ende müssen wir mit den Spielern auskommen, die ohne Geld bei uns spielen wollen. In der Regel sind dies nur die, die beim TV Oberhundem groß geworden sind.

Klingt nach äußerst düsteren Zukunftsaussichten...

Heyna: Ganz hoffnungslos ist die Situation nicht, denn im B- und C-Jugend-Bereich wachsen einige vielversprechende Talente heran, die mittelfristig wieder eine Perspektive darstellen könnten. Die Zeit bis dahin gilt es nun gemeinsam zu meistern und das Beste daraus zu machen.

Herr Heyna, vielen Dank für das Gespräch.

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