Ein Talent auf der Überholspur

Motocross-Fahrerin Fiona Hoppe aus Neheim will Weltmeisterin werden

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Auch im Wohnzimmer wird trainiert: Für Fiona Hoppe ist absolute köperliche Fitness Voraussetzung, um im Motocross-Parcours voll dabei zu sein.

Neheim. Sie weiß, was sie will. „Ich möchte irgendwann Weltmeisterin werden“, sagt Fiona Hoppe aus Neheim-Moosfelde. Weltmeisterin in einer spektakulären und für ein junges Mädchen eher ungewöhnlichen Sportart. Die 16-Jährige Realschülerin fährt Motocross und vielen Jungs davon. Fiona ist auf der Überholspur in die absolute internationale Klasse und gilt als eines der größten deutschen Nachwuchstalente. Das Motorradfahren wurde Fiona praktisch in die Wiege gelegt.

Vater Udo Hoppe war ein sehr erfolgreicher Motocross-Fahrer – unter anderem beim MCC Voßwinkel. „Schon mit drei Jahren wollte ich wie mein Papa aufs Motorrad“, erzählt Fiona. „Aber ich musste erst Fahrradfahren lernen, das war die Bedingung.“ Mit drei Jahren ging es aufs Laufrad in den Garten, ein Jahr später saß sie auf einem Kinder-Motorrad, einem schnuckeligen kleinen Moped und unternahm erste Fahrversuche, wie gehabt im Garten. „Das weckte meine Leidenschaft für Motocross, das Interesse wurde immer größer.“ 

Ihr erstes Rennen bestritt sie mit acht Jahren auf einer Kawasaki 65 ccm. „Die Jungs haben gesagt, dass ich mich nicht traue, ein Rennen zu fahren. Da habe ich mich angemeldet und war sofort schneller als die Jungs, die das gesagt haben“, erinnert sich Fiona, die auch Schulsprecherin der Realschule ist. Mit elf Jahren ist sie die ganze Saison gefahren und zwar als einziges Mädchen. „Die Jungs haben mich erst belächelt und als ich sie überholt habe, waren sie still.“ 

Danach nahm die sportliche Karriere ihren Lauf. Mit 12 beziehungsweise 13 Jahren stieg sie auf eine schwerere Maschine ( 85 ccm) um, nahm an der Deutschen Amateur-Meisterschaft (DAMCV) teil, wurde Dritte bei den Jungs. Es ging immer weiter nach vorn. Und sie war immer die jüngste Teilnehmerin. Mit 14 Jahren durfte sie dank einer Sonderregelung mit der 85 ccm-Maschine auch bei den Damen mitfahren, die die dicken 250er-Maschinen auf dem Motocross-Parcours steuerten. Ein dritter Platz ließ die Motocross-Szene aufhorchen. Natürlich reizte sie auch weiterhin der Vergleich mit den Jungs. Sie fuhr Rennen mit den Damen und mit den Jungs, die sie natürlich im Griff hatte. 

Jüngste Meisterin der Amateure 

2014 nahm sie an einem Europameisterschaftsrennen in Belgien teil, immer noch mit ihrer im Vergleich kleinen 85 ccm-Maschine. Ein Jahr später fuhr Fiona die gesamte EM-Tour und erreichte bei einem Rennen den fünften Platz. Die nächste Stufe im Motocross-Parcours war im letzten Jahr die Teilnahme am „Ladies-Cup“. „Das ist die höchste Klasse der Damen in Deutschland, praktisch die Königsklasse und die Vorstufe zur WM“, so Fiona. Sie landete im zarten Motocross-Alter von 15 auf Platz sechs. „Vor mir waren nur WM-Fahrerinnen.“ Bei der Europameisterschaft „Ladies IMBA Motocross“ stand im Gesamtklassement ein fünfter Rang zu Buche. 

Geschichte schrieb Fiona auch bei der deutschen Amateur-Meisterschaft. Sie wurde die bisher jüngste Meisterin und meisterte souverän den Umstieg von der 80er auf die 125er Maschine, die natürlich „flotter unterwegs“ ist. Ein weiterer Höhepunkt des vergangenen Jahres war die Teilnahme an der legendären Super-Cross-Veranstaltung in der Dortmunder Westfalenhalle. Für ihre überragenden Leistungen wurde Fiona, die für den MCC Voßwinkel, MSC Werl und AMC Geseke startet und die Lizenzen besitzt, am 4. Dezember im Goldsaal der Westfalenhalle geehrt. 

Dass diese Erfolge nicht von ungefähr kommen, ist klar. „Eine absolute körperliche Fitness ist Voraussetzung“, erzählt ihre Mutter Sandra. „Wenn man diesen Sport betreibt, dann ganz und nicht halb.“ Und Fiona ist fit: Tägliches Training wie Schwimmen, Krafttraining, Fahrradfahren stehen auf dem Programm. Ein Fahrrad und ein Rudergerät stehen im Wohnzimmer und sind jederzeit nutzbar. Aufs Motorrad geht es im Training natürlich auch. 

Mit dem Wohnmobil durch Europa

Über 20 Rennveranstaltungen stehen im Jahr auf dem Programm. Mit dem Wohnmobil geht es quer durch Deutschland und Europa. Die Eltern sind immer dabei. Sie wissen, dass Fiona eine nicht ungefährliche Sportart betreibt. Sie haben aber volles Vertrauen. Motorrad gegen Motorrad, spektakuläre Sprünge an den Hindernissen, das alles in jeweils 25 Minuten und zwei Runden: „Ich fahre viel mit Kopf, habe keine Angst, aber Respekt. Man muss technisch sehr gut sein, faszinierend sind die Sprünge. Sie sind Adrenalin pur.“ 

Bei aller Faszination für ihren Sport hat Fiona ihr schulisches Ziel und ihre berufliche Perspektive voll im Blick. Nach dem Realschulabschluss will sie Mitte des Jahres zum Berufskolleg nach Soest wechseln und dort mit dem Schwerpunkt „Sport und Gesundheit“ ihr Abitur bauen. Das Berufsziel steht auch: „Ich möchte Orthopädie-Techniker für Sportler werden.“ 

Bis dahin hat sie noch große sportliche Ziele: Sie will in mittelbarer Zukunft Weltmeisterin werden. Zwei WM-Rennen in Italien und Frankreich sind in diesem Jahr als erste Schritte geplant. Dabei wird sie wieder die jüngste Teilnehmerin sein, die weiß, was sie will. Fionas Leitbild zeigt die Richtung: „Erzähl den Leuten nicht von deinen Träumen, lass sie Ergebnisse sehen.“

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