"Laufraketen" holen das Triple

Sauerländer Extremsportler siegen zum dritten Mal in Folge beim "Traildorado"

Überglücklich nahmen Peter Wegener, Sven Sommerhoff, Matteo Brüggemann und André Kraus die Glückwünsche der Traildorado-Veranstalter entgegen.

Arnsberg. Was war nicht wieder alles schief gelaufen im Vorfeld zum „Traildorad“o, den Deutschen Meisterschaften im 24-Stunden-Trailrun? Die Staffelformation der „Sauerländer Laufraketen“ musste kurzfristig aus Verletzungsgründen sogar doppelt umgestellt und improvisiert werden: Jörg Brouwer musste passen, sein potenzieller Ersatzmann Ralf Klauke ebenso. Und so standen die Läufer weniger als eine Woche vor dem Startschuss zur geplanten Titelverteidigung plötzlich ohne vierten Starter da.

Doch mit Peter Wegener, der bereits 2015 in der Siegerstaffel lief, fand sich schließlich Ersatz. Der Preis dafür war aber hoch, denn um der Staffel zu helfen, opferte Wegener seinen geplanten Start in der Einzelkonkurrenz. So stand die Formation mit Matteo Brüggemann, Sven Sommerhoff, Peter Wegener und André Kraus bereit, um zum dritten Mal in Serie nach dem Deutschen Meistertitel zu greifen. 

Zwischen ihnen und diesem Ziel lagen jetzt lediglich noch 24 Stunden, neun Konkurrenzstaffeln und eine 4,1 Kilometer lange Trailstrecke, die anspruchsvoller kaum sein konnte. Nach dem Startschuss und der gemeinsam gelaufenen Einführungsrunde erfolgte dann der fliegende Start und die Rennfreigabe des Veranstalters. In einem Kopf-an-Kopf-Duell mit der Staffelformation „Team expertpowerhouse.com“ zeichnete sich nach den ersten vier Stunden bereits an knapper Rennausgang ab. „Nachdem ich alle vier Läufer der Gegner auf der Strecke studieren konnte, war mir bewusst, dass das Rennen am Ende vielleicht durch den Kopf und den entsprechend größeren Willen entschieden werden könnte“, sagte André Kraus – von daher war es nicht nur eine Frage der stärkeren Beine, sondern auch des mentalen Faktors.

"Stärke und Selbstbewusstsein demonstrieren" 

Die Ausgangslage nach der Hälfte des Rennens um 0 Uhr sah wie folgt aus: Die Sauerländer Laufraketen führten mit 130 absolvierten Kilometern, knapp dahinter folgte das Team expertpowerhouse.com mit 126 Kilometern. „Endscheidend erschien es mir, den psychologischen Faktor auf unserer Seite zu halten, also keinerlei Schwachstellen zu offenbaren, keine drohenden Ausfälle nach Außen hin zu kommunizieren – und die drohten mehrfach–, eigene Stärke und Selbstbewusstsein zu demonstrieren und dadurch quasi ‘unangreifbar’ zu erscheinen“, berichtete Kraus. 

Diese Taktik ging neben den läuferischen Attributen der vier Sauerländer voll auf, sodass sich mit zunehmender Renndauer der Vorsprung immer weiter vergrößerte und der Sieg in greifbare Nähe rückte. Auch wenn die Beine an den Anstiegen der Runde, die sich insgesamt auf 130 Höhenmeter beliefen, mit jeder fortschreitenden Stunde immer schwerer wurden und der Verstand des Öfteren signalisierte: „Stop, bis hierhin und nicht weiter“, erlahmte der Kampfgeist der vier Freunde nicht, sodass die Truppe sich weiter und weiter von der Konkurrenz absetzte und am Ende einen souveränen Sieg mit 251 absolvierten Kilometern einfuhr. 

Das DM-Triple nach den Siegen in den Jahren 2015 und 2016 war damit perfekt und der Titel bleibt für ein weiteres Jahr im Sauerland. „Ich bin unendlich stolz auf die Jungs und ihre Leistung. So etwas kann man nur im Team vollbringen. Respekt aber auch an die sympathischen Gegner, die uns bis in den frühen Morgen hinein alles abverlangt haben“, schilderte André Kraus. 

Hegemann knackt 200-Kilometer-Marke 

Nach dem 24-Stunden-Rennen hieß es für die vier Sauerländer aber erstmal „Wunden lecken“ und regenerieren, denn dieser Wettkampf hat bei allen Spuren hinterlassen. Exakt wieim Vorjahr absolvierte die Staffel beim Traildorado 61 Runden und stieg dabei 7930 Höhenmeter nach oben. Entlohnt für diese körperlichen Strapazen wurde man dafür mit unvergesslichen Augenblicken, tollen Gesprächen, einem traumhaftem Sonnenaufgang, Wohlfühlatmosphäre am Lagerfeuer und großen Emotionen. 

Und da waren ja auch noch die Einzelstarter aus den heimischen Gefilden, die live und in Farbe Zeugen werden durften, als das schier für unmöglich Gehaltene doch wahr wurde: Mit Tobias Hegemann erreichte erstmals ein Einzelstarter beim Traildorado die magische 200-Kilometer-Marke und siegte mit unglaublichen 201 Kilometern. Erika Peter vom Lauftreff Ruhrtalrunners (61,6 Kilometer ) und Dietmar Blume vom LAC Veltins Hochsauerland (41,1 Kilometer) ließen es da „ruhiger“ angehen, genossen dafür aber sicherlich auch deutlich mehr die Atmosphäre und traten mit tollen Eindrücken von Natur und Wettkampf die Heimreise an.

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