"Ein Wahnsinnskrimi"

Volleyballspektakel im Schulzentrum: RC Sorpesee schlägt VCO Münster 3:2

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Am Ende jubelten die RCS-Mädels über einen knappen 3:2-Sieg gegen Münster (für Vollbild oben rechts klicken).

Sundern. Am Ende eines denkwürdigen Volleyballabends im Sunderner Schulzentrum besiegte der Landesleistungsstützpunkt den Bundesleistungsstützpunkt und die Fans beider Lager applaudierten zwei aufopferungsvoll kämpfenden Teams für eine tolle Leistung und Volleyball pur mit Herz und vollem Einsatz. Das 3:2 für den RC Sorpesee fühlte sich so laut Trainer Julian Schallow ob der tollen Leistung der Gäste des VC Olympia Münster, einer überragenden Blauen Wand und der kämpferischen Einstellung der eigenen Mannschaft am Ende "ziemlich gut" an.

"Rein spielerisch war sicher nicht alles Gold", gab Co-Trainer Linus Tepe nach dem Spiel zu Protokoll. "Aber ein Wahnsinnskrimi und eine tolle Moral der Mädels." Tatsächlich bot das Spiel alles, was ein guter Samstagskrimi bieten muss, und fesselte Fans und Teams. 

Im ersten Satz erwischten die Gastgeberinnen einen Einstand nach Maß. Das Team um den allzeit aufmerksamen Mittelblock mit Franziska Finke und Vanessa Vornweg setzte sich ab dem 8:8 leicht ab und profitierte dabei von ihrer größten Stärke, dem Aufschlag. Als RCS-Außen Laura Kemper zur Aufschlaglinie schritt, hatte sie das Messer zwischen den Zähnen und zerlegte den VCO in Satz eins fast im Alleingang. Zwei Auszeiten und zahlreiche Aufschläge später war es um das junge Gästeteam geschehen und der RCS transportierte den Vorsprung in Richtung Satzende. Spektakuläre Sideouts folgten tollen Ralleys und unter dem tosenden Applaus der Tribüne sicherte sich der RCS den ersten Durchgang mit 25:22. 

Beim Seitenwechsel nahmen sich die Sauerländerinnen vor, noch einen Gang zuzulegen. Anstatt aber die Kupplung zu treten und hochzuschalten, schien das RCS-Getriebe plötzlich außer Gefecht. Nichts lief plötzlich mehr rund und Trainer Julian Schallow schien in den Auszeiten und bei den Wechseln nach eigener Aussage auch nicht das goldene Händchen gefunden zu haben. Alina Hustadt kam nach ihrer Verletzung von der Bank zurück ins Spiel und dennoch war den Gästen aus Münster in Satz zwei nicht beizukommen. 

Nach Satz drei mit dem Rücken zur Wand

Leider verletzte sich die Spielführerin der Münsteranerinnen bei einer unglücklichen Blockaktion am Sprunggelenk. RCS-Physio Anne Schmitz war zwar schnell zur Stelle, an ein Weiterspielen war aber dennoch nicht zu denken. Aber auch das warf die Gäste nicht aus der Bahn. Der bestens vorbereitete Trainer Christian Wolf dirigierte sein Team virtuos und beim 25:15 verpasste Münster dem RCS eine krachende Ohrfeige, von der sich Team und Blaue Wand erst wieder erholen mussten. 

"Gut, dass wir an diesem Abend auch nicht angetreten waren, um uns die Butter vom Brot nehmen zu lassen", sagte Julian Schallow. Zwar plagten seine Libera Victoria Vornweg ab Satz zwei "heftige körperliche Probleme", die Annahme neben Bonnie Bastert, Nicole Freiburg und Laura Kemper verrichtete aber dennoch Schwerstarbeit auf hohem Niveau. Beim 17:14 hatten die Gastgeberinnen einen kleinen Vorsprung erarbeitet, lagen aber in der Auszeit beim 17:18 wieder hinten und mussten die nächste Attacke besprechen. Bis zum 23:23 wogte das Spiel hin und her, dann aber war die Chance für den RCS gekommen. Zwei Lobs der Gastgeberinnen und starke Gegenangriffe der Münsteranerinnen später stand es dann aber doch 23:25 und der RCS beim 1:2 mit dem Rücken zur Wand. 

Am Ende jubelten die RCS-Mädels über einen knappen 3:2-Sieg gegen Münster (für Vollbild oben rechts klicken).

Jetzt gab es für die Sauerländerinnen nur noch eine Richtung: die Flucht nach vorne. Kim Spreyer legte auf der Diagonalen einen Gang zu und das Spiel nahm aus einer sicheren Annahme wieder deutlich an Fahrt auf. Dennoch hatten die Gäste aus dem Münsterland über die hohen Außenpositionen immer wieder gute Lösungen parat. So blieb die Partie auf tollem Niveau bis zum 17:16 aus RCS-Sicht ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 

Dann leistete sich Julian Schallow ein kleines Scharmützel mit dem Schiedsgericht, das dieses mit einer gelben Karte und einem bösen Blick allerdings vehement zurückwies - 17:19 und ein angezählter Trainer, da war das Team von der Sorpe urplötzlich auf den Plan gerufen. Vanessa Vornweg und Franziska Finke erhöhten die Schlagzahl und ab Punkt 20 gab der RCS den Ton an. Beim 25:20 war alles wieder auf Null und der Tie-Break musste die Entscheidung bringen.

Schulzentrum steht nach dem Tie-Break Kopf

"Ein Tie-Break, der es wie das gesamte Spiel voll in sich hatte", berichtete Julian Schallow. Der VCO legte vor und hatte bis zum 7:6 die Nase vorne in einem nun mehr und mehr dramatischen Spiel. Beide Teams fighteten um jeden Ball und in den letzten 15 Minuten der Partie entschied die Blaue Wand kurzerhand, die Bänke im Schulzentrum nicht mehr zu nutzen: Standing Ovations für die Action im Schulzentrum. 

"Zu Recht", fand Schallow. Vanessa Vornweg servierte stark und was an Angriffen auf Münsteraner Seite übrig blieb, fischten Franziska Finke und Kim Spreyer aus der Luft. Laura Kemper zeigte ein letztes Mal ihre Künste von der Aufschlaglinie und Youngster Bonnie Bastert war es vorbehalten, die beiden letzten Bälle über die Außenposition zu versenken. Als der letzte Punkt zum 15:9 nach tollem Sprungpass von Michelle Henkies auf dem Boden den Münsteranerinnen einschlug, stand das Schulzentrum sprichwörtlich Kopf und Team und Blaue Wand feierten einen grandios erkämpften Sieg. 

"Zwei Punkte für den vorläufigen zweiten Platz in der Tabelle, tolle Moral und eine Blaue Wand, die wieder mal wie eine Eins hinter dem Team stand - was will man mehr?!", schwärmte Julian Schallow und lieferte gleich die Antwort: "Ganz einfach: Weitere Punkte und einen furiosen Endspurt für die Saison."

Die Fans der Blauen Wand standen den gesamten fünften Satz und feierten ein tolles Spiel.

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