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Ärmel schon hochgekrempelt: Wagner startet Umbau-Prozess auf Schalke

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Von: Marcel Guboff

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Arbeiten künftig eng mit dem Schalker Team zusammen: Sascha Riether (links, Koordinator der Lizenzspielerabteilung) und Cheftrainer David Wagner.
Arbeiten künftig eng mit dem Schalker Team zusammen: Sascha Riether (links, Koordinator der Lizenzspielerabteilung) und Cheftrainer David Wagner. © afp

Mit der offiziellen Vorstellung der neuen sportlichen Leitung will Schalke nach vorne schauen und zurück zu alten Erfolgen. Eine wichtige Rolle hat der neue Trainer David Wagner.

Gelsenkirchen – Es war eher den Temperaturen geschuldet, aber es war sinnbildlich für das, was David Wagner ausdrücken und bewirken will. Schalkes neuer Cheftrainer hatte die Ärmel seines Hemdes hochgekrempelt. Weil er weiß: „Es gibt viel zu arbeiten und wenig zu reden.“

Ansonsten sparte sich der 47-Jährige weitere stumpfe Floskeln oder simple Attitüden. Mehrfach betonte er, dass er kein Freund von viel quatschen ist. Auf Schalke muss gehandelt werden. Offiziell präsentierten die Königsblauen nicht nur den neuen Coach, sondern die gesamte sportliche Leitung, die Sportvorstand Jochen Schneider – wie bei seinem Antritt im März angekündigt – erweitert hat. Unter anderem mit Michael Reschke (Technischer Direktor) sowie Sascha Riether. Der 36-Jährige, der erst im Mai seine aktive Karriere beendete, ist fortan „Koordinator der Lizenzspielerabteilung“, hat also eine ähnliche Rolle wie Sebastian Kehl in Dortmund.

Zwar betonte Schneider, die verkorkste Vorsaison damit abhaken zu wollen, aber nicht komplett vergessen, sondern die Lehren daraus zu ziehen. Riether soll als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer beziehungsweise Sportvorstand fungieren – und Wagner in dieser Hinsicht entlasten. Damit nicht so etwas passiert wie unter Domenico Tedesco, der sich ohne große Hilfe neben dem Sportlichen auch um sämtliche Nebenkriegsschauplätze kümmern musste.

Schneider: Wagner kann Mannschaften formen und Spieler entwickeln

Ein Posten, den Wagner durchaus begrüßt. „Das ist elementar“, sagte der Trainer, der einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieb. Immer wieder lässt er durchblicken, wie wichtig bei ihm der Faktor „Team“ ist. Er sei ein Verfechter davon, „nicht nur auf dem Platz, sondern auch drumherum.

Dennoch ist Wagner derjenige, der das Ganze steuern wird und in der Hauptverantwortung steht. Und in den Augen seines Chefs der Federführende, der den Schalker Fußball neu beleben soll.

David Wagners Fußball ist nach vorne gerichtet. Dazu hat er eine offene Art und kann – im sprichwörtlichen Sinne – den Laden anzünden, sagte Schneider: „Ihm ist es bislang immer gelungen, Mannschaften zu formen und Spieler zu entwickeln, sie besser zu machen.“

Verkorksten Jahre als Chance für die Zukunft

Ein weiterer wichtiger Punkt. Denn die finanziell arg gebeutelten Schalker können sich keine großen Sprünge auf dem Transfermarkt erlauben, wollen und müssen auch vorwiegend auf talentierte Fußballer setzen. Da kommt ein Trainer, der diese auch besser machen kann, den Königsblauen gerade recht.

Dass Wagner einen Haufen Arbeit vor sich hat, stört ihn wenig. Im Gegenteil. Es hat seinen Reiz. „Ich finde es cool, wenn du weißt: Du hast 18 Schrauben, an denen du drehen kannst. Wenn du 18 Mal ein bisschen drehst, sollte ja schon etwas passieren. Wenn da nur eine ist, musst du ja richtig feste drehen.“ Daher sieht er auch die aktuelle Situation eher als Chance denn als Hindernis.

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© afp

Er sagte: „Nach den letzten drei Jahren – mit Ausnahme des Mitteljahres mit der Vize-Meisterschaft, die ja jeder richtig einschätzen kann – wissen die Leute, dass wir nicht an der Spitze des Feldes mitmarschieren und dass wir aufholen und arbeiten müssen. Das finde ich auch gar nicht schlimm. Es ist doch quatsch, es nicht auszusprechen. Es ist wurscht, ob wir der FC Schalke 04 sind oder nicht: Wir sind da, wo wir sind. Wir sind auf Platz 14 eingelaufen. Das müssen wir akzeptieren, arbeiten und zusehen, dass wir wieder da hin kommen, wo der Verein hin will. Spaß und erfolgreicher Fußball – da soll es hin gehen. Wie gut? Keine Ahnung. Wie schnell? Auch keine Ahnung“, sagte Wagner offen und ehrlich. „Das passiert nicht in einem Transferfenster oder in drei Monaten Vorbereitung.“

Trio kann gehen - Embolo vor Wechsel

Zumal auch noch gar nicht klar ist, welches Personal Wagner und seinem Trainerteam schlussendlich zur Verfügung stehen wird. Fakt ist, dass der Klub Hamza Mendyl, Yevhen Konoplyanka wie auch Nabil Bentaleb nahegelegt habe, sich nach neuen Herausforderungen umzuschauen. Dazu steht Breel Embolo vor einem Wechsel nach Mönchengladbach, es sind nur noch Details zu klären. Fakt ist auch, dass Schalke gerne Düsseldorfs Benito Raman verpflichten und der Offensivspieler genauso gerne am Freitag zum Medizincheck erscheinen würde. „Wir hätten nichts dagegen, es liegt an der Fortuna“, meinte Schneider. Dazu soll sich der umworbene Ozan Kabak (19) vom VfB Stuttgart nach übereinstimmenden Medienberichten für Schalke entschieden haben. Zu den Gerüchten hielten sich die Verantwortlichen bedeckt.

Und Wagner? Der hält sich mit öffentlichen Wünschen ebenfalls zurück. „Es ist natürlich kein Wunschkonzert, und wir wissen, dass wir da auch Geduld brauchen“, sagte Schalkes Chefcoach. Auch der Kader-Umbau ist eben ein Prozess. Wie lange er den mitmachen darf? Schließlich waren seine Vorgänge selten lange im Amt. Er dagegen war beinahe fünf Jahre als U23-Coach beim BVB, anschließend fast vier in Huddersfield. Ist das auf Schalke überhaupt möglich? „Wenn nicht“, versicherte Wagner, „wäre ich nicht hier.“ Mit bereits hochgekrempelten Ärmeln und bereit für die Maloche auf Schalke.

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Schalkes Staff vergrößert

Schalkes Chefcoach David Wagner wird von den Co-Trainern Christoph Bühler und Frank Fröhling unterstützt. Zum Trainerstab gehören wird weiterhin Matthias Kreutzer. Er bleibt wie schon unter Interimstrainer Huub Stevens Assistent und ist künftig auch als Leiter der Spiel- und Videoanalyse tätig. Dazu kommt Sascha Lense von Dynamo Dresden und unterstützt die sportliche Führung als Sportpsychologe. Massimo Mariotti, zuletzt beim VfB Stuttgart, soll sich darum kümmern, Neuzugängen auch abseits des Platzes bei der Integration behilflich zu sein. Rene Grotus wechselt von Leipzig zum S04 und wird in erster Linie Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider unterstützen. Grotus übernimmt quasi das Aufgabengebiet von Axel Schuster, von dem sich der Klub getrennt hat. Einen Sportdirektor wird es vorerst nicht geben, da die Aufgaben von Reschke und Schneider abgedeckt sind.

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