Schalke 04

Nach Rücktritt ohne Selbstkritik: Heidel bringt Nachfolger selbst ins Gespräch

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Schalkes Sportvorstand Christian Heidel erklärte nach der Partie in Mainz den Rücktritt – spätestens zum Saisonende.

Schalke 04 steht nach dem Rücktritt von Christian Heidel zunächst ohne Sportvorstand da. Der Ex-Mainzer wolle kein Problem für den Verein sein, scheiterte letztlich aber an sich selbst.

Mainz – Christian Heidel hatte einen regelrechten Interview-Marathon hinter sich. Denn der Sportvorstand von Schalke 04 stand besonders im Mittelpunkt. Ausgerechnet nach dem Gastspiel bei seinem Ex-Klub. Nach der 0:3-Niederlage in Mainz verkündete der 55-Jährige offiziell seinen Rücktritt von seinen Ämtern spätestens zum Ende dieser Saison.

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Dabei wirkte er gefasst, gelöst und irgendwie auch erleichtert. Er sagte: „Ich glaube, dass ich die Verantwortung tragen muss für die sportliche Situation und auch ein Zeichen setzen muss. Ich habe immer aus einer Position der Stärke heraus gearbeitet. Die habe ich derzeit nicht.“

Heidel betonte, immer für Ruhe in einem Klub gestanden zu haben. Diese sah er aufgrund der anhaltenden Diskussion um seine Person nicht mehr gewährleistet und zog nun die Reißleine: „Wenn ich das Problem bin, muss ich reagieren.“ So die offizielle Version.

Heidel auf Schalke gescheitert

Die ersten Überlegungen zu diesem Schritt habe er im Winter gehabt, erklärte der Manager. Vor knapp zwei Wochen habe er endgültig den Entschluss gefasst, seinen bis zum Sommer 2020 gültigen Vertrag im Sommer vorzeitig aufzulösen. Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies wisse seit Montag bescheid. Damit kam er dem Gremium wohl entgegen, das ohnehin größere Zweifel an der Arbeit des Mainzers hegte. „Ich löse den Vertrag auf, will kein Geld, verzichte auf alles, was mir zusteht“, berichtete er.

Heidel will Schalke aufrecht verlassen. Nicht rausgeschmissen werden und mit dem Ruf des Gescheiterten. Doch beim genaueren Hinschauen wird klar: Er ist gescheitert. Der langjährige Macher von Mainz, 24 Jahre lang erfolgreich für den FSV aktiv, hat die Dimension Schalke offenkundig unterschätzt.

Bilder vom Schalker Untergang in Mainz

Tönnies holte Heidel, um Königsblau in den Top drei zu etablieren. Um für Ruhe und Strukturen im Klub zu sorgen. Bei seinem Amtsantritt hatte der Manager erklärt, seine Aufgabe nicht nur als Sportdirektor zu sehen, sondern den Verein „als Ganzes sehen und über den Tellerrand des reinen Transfergeschäfts“ hinausschauen zu wollen.

Wogen nicht mehr geglättet

In puncto Infrastruktur ist ihm das durchaus gelungen. der sportliche Erfolg blieb dabei auf der Strecke. Die Vize-Meisterschaft der Vorsaison erwies sich als Ausrutscher nach oben. Der Großteil seiner verpflichteten Spieler für insgesamt 154 Millionen Euro funktionieren nicht beziehungsweise nicht wie gewünscht. Schalkes Mannschaft wirkt austauschbar.

Öffentlich über Irrtümer seiner Amtszeit sprechen wollte er nicht. Über seinen Start auf Schalke im Sommer 2016 sagte er: „Im Nachhinein war es ein Riesenfehler, dass ich das erst nach der Saison gemacht habe, weil man Mannschaft und Trainer kennenlernen muss.“ Allerdings hatte sein Vorgänger Horst Heldt bereits im März erklärt, dass Heidel in alle Entscheidungen eingebunden sei – und damit im Thema gewesen sein sollte. Aussagen, die nicht zusammenpassen.

Kommentar: Heidels Abgang hat Stil - lenkt aber auch von eigenen Fehlern ab

Gescheitert ist er jedoch an mehreren Sachen. Als Stolperstein erwies sich auch seine Sturheit, einen von Tönnies angeregten (Transfer-)Berater zu installieren. Auch wenn er anschließend öffentlich zurückruderte: Die Wogen glättete er nicht mehr.

Boldt oder Allofs - oder beide?

Nun betonte er, im Sommer genau so eine Verstärkung selbst vorgeschlagen zu haben – und mit Jonas Boldt auch schon konkrete Gespräche geführt habe. Der Noch-Leverkusener gilt nun auch als heißester Nachfolge-Kandidat für Heidel. Austausch zwischen Klub und Boldt gab es bereits. Allerdings wird Boldt wohl nicht alleine kommen, sondern der Klub die Lösung Sportvorstand plus Sportdirektor bevorzugen. Ein Duo Klaus Allofs und Boldt wäre denkbar.

Tönnies wollte sich auf Nachfrage dieser Redaktion nicht weiter dazu äußern. Via Klub-Mitteilung kündigte er an, „zu gegebener Zeit die Nachfolgeregelung vornehmen und vorstellen“ zu wollen. Heidel selbst warb für Boldt: „Ich schätze ihn sehr.“ Sobald ein Nachfolger da ist, werde er weichen, erklärte er. Und dann? Seine Zukunft lässt er offen, klar sei nur: „Rentner werde ich noch nicht.“

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Quelle: wa.de

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