Stillstand

Schalke fernab von Realität und Fortschritt

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Schalkes Trainer Domenico Tedesco.

Schalke sieht sich angesichts der vergangenen Wochen auf dem richtigen Weg. Dabei ist die Mängelliste lang, Fortschritt nicht zu erkennen. Doch Königsblau sieht das nach Außen hin anders.

Gelsenkirchen - „Es ist noch ein gewisser Weg zu gehen, aber hungrig sind wir schon noch.“ Ein Satz von Schalkes Trainer Domenico Tedesco. Gefallen nach dem 9. Spieltag der Vorsaison, als Königsblau gerade Mainz geschlagen hatte und sich mit 16 Punkten im oberen Tabellendrittel befand.

Verglichen mit der aktuellen Situation wäre eine solche Aussage weitaus angebrachter. Der Vize-Meister hat sieben Zähler auf dem Konto, steht einen Rang über dem Relegationsplatz. Rühmte sich mit einem 0:0 der schlechteren Sorte bei RB Leipzig.

Zwar sagte Sportvorstand Christian Heidel: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns, um da hinten Schritt für Schritt herauszukommen.“ Er meinte aber auch: „Wir haben von den vergangenen fünf Spielen vier nicht verloren. Wenn man einen Trend erkennt, ist er eher positiv als negativ.“

Prinzip Hoffnung

Schalke klammert sich derzeit an jedes noch so kleines Fünkchen Hoffnung. Darauf, die Abstiegszone alsbald zu verlassen. Darauf, wieder zu punkten. Darauf, endlich wieder ein Tor zu erzielen.

Letzteres ist aktuell das größte Problem der Knappen. Mit gerade einmal fünf Treffern stellen die Königsblauen nach neun Spieltagen gemeinsam mit Mainz 05 die schwächste Offensive der Liga. So harmlos war der Schalker Angriff zuletzt vor 51 Jahren. Nicht die Ansprüche eines Champions-League-Klubs oder eines amtierenden Vize-Meisters.

"Für einen Champions-League-Teilnehmer ungewöhnlich"

Im Angriff werden die Chancen derzeit kläglich vergeben. Das letzte Tor liegt 307 Minuten zurück. Sinnbildlich für diese Misere steht Breel Embolo, der in Leipzig wie schon beim 0:0 in der Champions League sogenannte Hundertprozentige nicht verwertete, für seine intensive Laufarbeit aber Lob erhielt.

„Es gibt Stürmer“, sagte Heidel, „die haben diese Chancen nicht. Wenn du keine Chancen hast, kannst du auch nicht vorbei schießen.“ Dazu verwiesen die Verantwortlichen auf die vielen guten Möglichkeiten gegen Bremen (0:2) und in Istanbul.

Manager Christian Heidel erkennt einen positiven Trend bei Schalke 04.

Fakt ist aber auch: Bei den Sachsen verpasste Königsblau tatsächlich zweimal die Führung nach Standards knapp, aus dem Spiel heraus allerdings: nichts. Selbst RB-Coach Ralf Rangnick wunderte sich: „Die Art und Weise wie Schalke gespielt hat, war für einen Champions-League-Teilnehmer ungewöhnlich. Das sage ich so wertfrei wie ich nur kann.“

Keine Kreativität, keine Sicherheit

Denn Tedesco setzte bewusst auf eine destruktive Spielweise. Auf lange Bälle, um keine Fehler im Zentrum zu riskieren. Und weil Schalke ohnehin die Kreativität, Ballsicherheit und Kontrolle im Mittelfeld fehlt. Es sind aktuell die größten Mankos im Spiel.

Und dennoch verkaufen sie auf Schalke nach Außen hin, dass alles gut sei. Sie verkennen in gewissen Punkten die Realität. „Jeder Spieler kämpft und verteidigt“, erklärte Benjamin Stambouli: „Das ist unsere Qualität.“

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Es sind aber auch Grundtugenden, die Grundvoraussetzung einer jeden Mannschaft sind. Und Attribute, die meist oft von „Kellerkindern“ gefordert werden. Weston McKennie erklärte: „Wir hatten bislang in Leipzig noch keinen Punkt geholt, daher war es ein Schritt in die richtige Richtung.“ Eine Sicht, die nicht jeder teilen wird. Auch Teile der Anhänger werden allmählich ungeduldig und sehnen sich nach Besserung.

Ungemütlicher Herbst droht

Wie richtig der Weg also tatsächlich ist, werden die kommenden zwei Schalker Aufgaben zeigen: Zunächst steht die Zweitrunden-Partie im DFB-Pokal am Mittwoch beim 1. FC Köln (18.30 Uhr) an, ehe am Samstag der Liga-16. Hannover 96 zu Gast ist.

Zwei Gegner, die nicht so viel Wert darauf legen werden, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. So, wie es Schalke selbst zuletzt wieder häufiger praktizierte. Doch nun wird es weniger darauf ankommen, wie viel Embolo und Co. rennen und den Gegner anlaufen. Sondern darauf, selbst zu gestalten.

Folgen stattdessen weitere Rückschläge, dürfte es ein ziemlich ungemütlicher Herbst auf Schalke werden.

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Quelle: wa.de

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