Kader und mehr

Schalkes lange Mängelliste für die Winterpause

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Schalke 04 kam durch den Sieg in Stuttgart zu einem versöhnlichen Abschluss einer enttäuschenden Hinrunde. Dennoch werden die Verantwortlichen in der Winterpause alles auf den Prüfstand stellen.

Durch den Sieg in Stuttgart geht Schalke zwar mit einem etwas besseren Gefühl in die Winterpause, die Baustellen jedoch bleiben bestehen. Davon gibt es viele.

Stuttgart - Auf eine Sache hatte das Ganze dann doch eine Auswirkung. „An Heiligabend“, sagte Schalkes Sportvorstand Christian Heidel, „vergesse ich vielleicht mal kurz den Fußball.“

Schließlich sorgte der verdiente 3:1-Sieg zum Ende der aus königsblauer Sicht enttäuschenden Hinrunde im Keller-Duell beim VfB Stuttgart für einen halbwegs versöhnlichen Abschluss und zumindest etwas ruhigere Tage rund um Weihnachten. Das gelte auch für Domenico Tedesco. „Der Trainer bekommt jetzt drei, vier Tage Handy-Verbot“, so Heidel.

Keine Frage: Diese erste Saison-Hälfte in der Bundesliga hat Spuren hinterlassen. Vor allem bei Tedesco. „Abgekämpft“ sehe er aus meinte der Manager. Was ihn nicht wundere: „Der Junge tut alles dafür, dass Schalke Erfolg hat.“ Und wird es auch nach der Winterpause tun. Denn Tedesco habe seinem Chef zufolge „den sichersten Job, den man sich vorstellen kann“.

Ein "weiter so" wird es nicht geben

Dennoch war allen Beteiligten bereits vor der Partie in Stuttgart klar: Ein „weiter so“ wird es nicht geben. „Manche Dinge waren selbst verschuldet, manchmal kam Pech hinzu, dann war es die Kader-Situation mit den viele Verletzten“, erklärte Tedesco: „Wir müssen alles sauber analysieren, alles durchforsten und keine Ausreden suchen. Wir müssen konsequent sein bei unseren Entscheidungen.“

Tatsächlich wird es nicht die eine kleine Stellschraube sein, die dafür sorgt, dass bei den Königsblauen in der Rückrunde alles besser läuft. Es sind viele Kleinigkeiten. Angefangen beim Kader. Ja, die Einkäufe im Sommer schienen logisch und konsequent. Bei Stürmer Mark Uth, der vor seiner Verletzung langsam in Tritt gekommen war, Salif Sané oder dem jungen Suat Serdar wäre es sicherlich nach wie vor verfrüht, von Fehleinkäufen zu sprechen. Allerdings müssen Heidel, Tedesco und Co. sich kritisch hinterfragen, ob ein Omar Marcarell tatsächlich die Verstärkung ist, die sich alle erhofft hatten. Ob der eher ruhigere Vertreter Sebastian Rudy der richtige Mann für die Mittelfeldzentrale ist, um die Geschicke zu leiten und lenken oder einfach mal mit entsprechender Aggressivität in den Zweikämpfen ein Zeichen zu setzen.

Schalke hat keine Leader

Womit direkt das nächste Problem offensichtlich ist: Schalke hat keine Leader in der Mannschaft. Solche, die in schlechten Phasen mal vorangehen oder das Wort ergreifen. „Ein gewisser Umbruch war am Anfang schon da“, räumte Bastian Oczipka offen ein: „Benji (Benjamin Stambouli, Anm. d. Red.) und ich waren anfangs lange verletzt, dann waren Thilo Kehrer, Max Meyer und Leon Goretzka weg. Das sind schon mal fünf Spieler, die in der letzten Saison immer auf dem Platz gestanden haben – auch, was Mentalität oder Führungsqualitäten angeht. Das ist uns alles weg gebrochen.“ Diese Charaktere entsprechend zu ersetzten, ist im Sommer nicht gelungen. Aktuell ist Stambouli der einzige, der auf sowie neben dem Platz versucht, diese Rolle auszufüllen.

Erleichtert in die Winterpause: Schalke siegt in Stuttgart

Das nächste „Kader-Problem“: Er ist auf Dauer zu groß. Erst recht mit Blick auf die Tatsache, dass die englischen Wochen deutlich weniger sein werden. Schon jetzt war es schwierig, alle im Aufgebot bei Laune zu halten.

"In alle Richtungen schauen"

Selbst die oft notwendige Rotation trug nicht dazu bei. So hatte sich etwa Rudy darüber beklagt, sich gar nicht erst an das Spiel der Königsblauen gewöhnen zu können, wenn er doch nur alle zwei Partien auf dem Platz stünde. Dass seine Ansprüche nicht aber zu seinen Leistungen gepasst hatten, ließ er dabei unerwähnt.

Hinzu kommen die „Auffüller“ wie Johannes Geis oder Franco Di Santo, die ohnehin keine bis kaum eine Rolle spielen. Zu groß ist die Gefahr, dass sie ihrem Ärger irgendwann Luft verschaffen – zum Nachteil der Stimmung in der gesamten Truppe. „Wir werden in alle Richtungen schauen“, sagte Tedesco auf die Frage nach einer Verkleinerung des Kaders. Heidel deutete an: „Der eine oder andere Hinweis, dass es wo nicht weiter gehen wird, ist sicherlich erlaubt.“

Alles kommt auf den Tisch

All diese „internen Probleme“, wie der Manager sie nennt, sollen bis zum Beginn des Trainingslagers am 4. Januar im spanischen Benidorm schonungslos auf den Tisch kommen und im Idealfall beseitigt, ja zumindest die Lösung in die Wege geleitet werden.

Skrzybski glänzt in Stuttgart - aber Tedesco hebt den Zeigefinger

Neben Veränderungen bei den Spielern – sei es in puncto Zu- oder Abgängen – seien auch Ergänzungen im Trainerteam unter Tedesco nicht ausgeschlossen. Genauso wie mögliche Berater oder Kader-Planer. „Ich habe“, sagte Heidel, „vor allem Angst, nicht aber vor Qualität bei Schalke 04.“ Wie ernst es den Verantwortlichen ist, werden spätestens die Ergebnisse im Januar belegen.

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Quelle: wa.de

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