Viele Nebenkriegsschauplätze

Wenn das Derby für Schalke eine unwillkommene Randerscheinung ist

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Schalke 04 um Guido Burgstaller (links) muss sich vor dem Derby beim BVB mit vielen Nebenkriegsschauplätzen beschäftigen.

Vor dem Revierderby beim BVB gibt es auf Schalke viele Nebenkriegsschauplätze. Das Duell in Dortmund gerät dabei immer mehr in den Hintergrund.

Gelsenkirchen – Die Frage war kaum zu Ende gestellt, da gab Huub Stevens schon die Antwort. „Ja“, sagte der Jahrhunderttrainer von Schalke 04. Er lächelte dabei. Und schien entschlossen. Es soll definitiv das letzte Mal sein, dass der 65-Jährige das Revierderby am Samstag bei Borussia Dortmund (15.30 Uhr/bei uns im Live-Ticker) als Coach auf der Bank miterlebt.

Der für sein Knurren bekannte Niederländer wirkte während des 20-minütigen Mediengesprächs vor dem Duell beim ewigen Revier-Rivalen locker und gut aufgelegt. Doch seine Antwort lässt trotz seiner Vorfreude auf den Klassiker tief blicken. „Ich hatte gute Zeiten und weniger gute in meinen Derbys“, sagte Stevens. Doch keines seiner Aufeinandertreffen mit den Schwarz-Gelben hatte wohl so schlechte Vorzeichen wie dieses.

Denn kaum einer rechnet mit einer Überraschung der Königsblauen. Vermutlich nicht einmal sie selbst. Lange schon war das Interesse an einer Pressekonferenz vor der Partie beim BVB nicht mehr so gering wie diesmal. Keine besondere Einstimmung. Keine Videos. Kein Heißmachen. Nichts. Schalke hat aktuell viele Probleme – nur nicht das Derby.

Stevens lobt Kutucu

Der derzeit wohl größte Nebenkriegsschauplatz ist die erneute Suspendierung von Nabil Bentaleb. Wie kann Stevens bloß einen seiner besten Fußballer in dieser Phase außen vor lassen, fragen sich viele Fans. Der Coach ließ durchblicken, dass es sich nicht nur je um ein einzelnes Vergehen gehandelt habe und es nicht darum gegangen sei, einen Sündenbock als auszumachen.

Daher habe sich der Niederländer bei mehreren Schalker Verantwortlichen rückversichert, „weil ich zu 100 Prozent sicher sein muss“, erklärte der Trainer. Bentaleb habe schlichtweg nicht begriffen, worum es geht. „Ich konnte nicht anders“, so Stevens: „Es geht noch immer um einen Mannschaftssport. Da hast du nicht mit einem Spieler zu tun, sondern 26.“

Voraussichtliche Aufstellung: So könnte Schalke im Derby beim BVB spielen

Aber es ist nicht so, dass Bentaleb das einzige Schalker Problem ist. Stevens wurde die vergangenen Wochen immer wieder vorgeworfen, den jungen und unbekümmerten Ahmed Kutucu nicht genügend eingesetzt zu haben, sodass der 19-Jährige zuletzt in der U19 und U23 auflief – und das durchaus erfolgreich. Der Coach klärte auf: „Er ist zu uns gekommen und hat gefragt, ob er bei der U19 spielen kann. Das ist ein Kompliment für den Spieler, dass er selbst kommt und das sagt. Das sind Schritte, die ich als positiv empfinde.“

Schalke und die Frage der Konstanz

Dazu verweist Stevens auf das Abitur, mit dem der gebürtige Gelsenkirchener beschäftigt war. „Da hat er sich vier Wochen lang bemüht, dass er morgens in die Schule geht und danach direkt zu uns zum Training kommt“, so der Niederländer: „Das ist viel für einen jungen Burschen, da musst du vorsichtig sein. So einen Jungen kannst du nicht vor eine Wand jagen.“ Ob Kutucu eine Option für das Derby sei? „Spieler, die Leistungen bringen, halte ich nicht zurück – egal, ob sie 19 sind oder 30.“

Borussia Dortmund siegreich im Revierderby beim FC Schalke 04

Leistung bringen war für die Schalke zuletzt ohnehin so eine Sache. Ein Beispiel dafür lieferte die jüngste 2:5-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim, in der Königsblau phasenweise ordentlich agierte – aber eben nur phasenweise. Das Problem mit der Konstanz, das Schalke nicht erst seit einigen Wochen begleitet.

„Das hinzukriegen, ist nicht einfach“, sagte Stevens: „Ich kann und darf nicht alles ehrlich sagen. Das kommt vielleicht noch, dass ich das sage. Vielleicht intern, vielleicht auch öffentlich. Ich weiß es noch nicht.“ Worte, die tief blicken lassen, wie groß die Probleme auf Schalke wirklich sind. Genau wie Stevens Hoffnung, „dass wir das Derby mit elf Spielern anfangen. Nicht, dass einer die Absprachen vergisst.“ Bei Königsblau liegt viel im Argen. Da wird das Derby beim BVB, der auch noch um den Titel kämpft, tatsächlich eher zu einer unwillkommenen Randerscheinung.

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Quelle: wa.de

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