Schalker im Interview

Skrzybski: Das ist das Schlimmste, was einem passieren kann

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Steven Skrzybski wechselte im Sommer 2018 von Union Berlin zu Schalke 04.

Schalkes Stürmer Steven Skrzybski spricht im Interview über das Dasein als Profi, Privilegien, das "Risiko Instagram" und die Rückrunde mit Königsblau.

"Stimmt", antwortet Steven Skrzybski auf die Anspielung darauf, seine freie Zeit für das Interview opfern zu müssen. Schalkes Offensivspieler grinste dabei. Der 26-Jährige hat eben immer mal einen Spruch auf den Lippen, hat sein lockerere Art im Profi-Alltag nicht verloren.

Mit Marcel Guboff sprach er unter anderem über seine Sichtweise auf den Fußball, das Risiko Instagram und die Rückrunde mit Königsblau.

Herr Skrzybski, Sie spielen für Ihren Lieblingsverein. Müssen Sie sich manchmal noch kneifen?

Steven Skrzybski: Der Mensch gewöhnt sich ja schnell, aber natürlich ist es immer noch etwas Besonderes.

In Schalke-Bettwäsche schlafen Sie aber nicht mehr?

Skrzybski (lacht): Nein, da hat meine Frau nicht zugestimmt.

Ist denn in Ihrem Lieblingsklub alles so, wie Sie sich das vorgestellt hatten?

Skrzybski: Ich denke, ich bin nicht mit überzogenen Erwartungen hierher gekommen. Ich nehme es, wie es kommt. Natürlich gibt es viele Dinge, die man aus der Zweiten Liga so vielleicht nicht kennt, aber es gibt auch viele Parallelen.

Was ist anders?

Skrzybski: Die Stadien sind viel größer, die individuelle Klasse, die Resonanz in den Medien. Aber am Ende ist es trotzdem nur Fußball.

In Berliner Zeitungen wird immer noch über Sie geschrieben und darüber, dass Union den neuen Skrzybski sucht. Hatten Sie dort einen besonderen Status?

Skrzybski: Als Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hat man ja häufig eine Sonderstellung. Ich hoffe für Union natürlich, dass einige den Sprung schaffen, davon lebt ein Klub ja auch ein bisschen. Das ist ähnlich wie auf Schalke mit der Knappenschmiede. Es ist für alle Beteiligten etwas Gutes, wenn sich jemand aus dem eigenen Verein gut entwickelt.

Sehen Sie sich als Star?

Skrzybski: Dieses Image hatte ich nie, auch nicht bei Union. Ich bin ein Mensch, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Wenn man sich das vor Augen führt, sind das Sachen, die einen erden. Wir dürfen das machen, was Tausende oder vielleicht sogar Millionen andere auf der Welt gerne machen würden. Das ist ein Privileg.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Skrzybski: Es ist immer schwer, sich selbst zu beschreiben. Aber ich glaube schon, dass ich ein bodenständiger und ehrlicher Mensch bin. Wenn gewisse Konflikte da sind, versuche ich sie ruhig zu lösen und nicht auf die emotionale Schiene zu gehen.

Hatten oder haben Sie große Vorbilder im Fußball?

Skrzybski: Miroslav Klose und Olaf Thon gehörten in der Jugend zu den Spielern, die ich verehrt habe. Etwas später auf Schalke bezogen war es Ebbe Sand. Ich habe mich immer mal an gewissen Profis orientiert. Diese drei Spieler haben immer das Wohl der Mannschaft über das eigene gestellt, so bin ich auch als Spieler groß geworden.

Reporter Marcel Guboff (links) traf Schalkes Steven Skrzybski zum Interview.

Kommt das heutzutage bei einigen zu kurz, weil sie sich zu sehr mit ihren eigenen Wohl beschäftigen?

Skrzybski: Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Aber man muss als Team funktionieren, um selbst voranzukommen. Am Ende will jeder, dass man als Mannschaft Erfolg hat.

Stichwort erden: Hilft es den Blick auf das Wesentliche zu behalten, wenn Fußballer wie Sie als Jugendlicher in der Bäckerei Ihrer Eltern mal mit anpacken musste anstatt schon mit 14 alles hinterhergetragen zu bekommen und kaum selbstständig sind?

Skrzybski: Wie viele andere, hatte ich auch keinen Bock auf Schule (grinst). Aber meine Eltern haben mich so erzogen, dass ich erst meinen Schul-Abschluss mache und dann der Sport weiterbetrieben wird. Am Anfang, bis zur U17, war es ja mehr ein Hobby. In so einer Mannschaft gibt es dann viele, die denken, sie werden der neue Messi. Aber es kommen pro Jahrgang maximal zwei Spieler durch. Dessen musste ich mir schnell bewusst werden. Ich hatte das Glück, dass meine Fähigkeiten erkannt wurden – mehr, als ich es mir selbst zugetraut hätte. Ich wollte alles dafür geben, Fußballer zu werden. Deshalb bin ich unheimlich stolz, dass ich es bis hierhin geschafft habe.

Würden Sie diesen Weg genauso gehen, oder wären Sie lieber Teil einer Fußball-Schule?

Skrzybski: Ich würde diesen Weg genauso noch einmal gehen. Es ist mein Traumberuf. Vielleicht würde ich die eine oder andere Entscheidung mit dem Wissen von heute auch anders treffen. Ich bin mit meinem Werdegang insgesamt aber zufrieden.

Kann man sich heute noch so mit Fußballern identifizieren wie früher?

Skrzybski: Du wächst ja so auf, dass du gewisse Spieler verehrst – aus welchen Gründen auch immer. Bei mir war es so: Je älter ich wurde, desto interessanter fand ich die Stürmer-Position. Man hat ein Idol, ohne dabei extrem auf das Image zu achten. Als Fußballer schaust du eher auf die Spielweise. Aber klar ist heute sehr viel Selbstvermarktung dabei durch die Medien oder sozialen Netzwerke.

Sind einige zu sehr abgehoben und leben fernab der Realität?

Skrzybski: Als Fußballer bist du sehr privilegiert. Trotzdem sind die meisten so erzogen worden, aufs Geld zu achten, man darf den Kopf und den Blick auf das Wesentliche nicht verlieren. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass eine Karriere nicht ewig geht. Wenn es sehr gut läuft, bist du bis 34, 35 Fußballer. Deshalb musst du dir auch Gedanken darüber machen, was danach sein wird. Daher genieße ich jeden Moment und weiß zu schätzen, was ich daran habe.

Ein goldenes Steak werden wir also nicht auf Ihren Instagram-Account sehen?

Skrzybski: Das ist das Problem: Was poste ich im Netz? Egal, was Fußballer preisgeben: Es geht vielen von ihnen ursprünglich ja nicht darum, zu protzen. Eher neigen manche dazu, nahezu alles mit ihren Fans zu teilen. Da kann ein gewisses Risiko dabei sein. Manchmal löst so etwas eine große Debatte aus, auch wenn man es vielleicht ganz anders gemeint hat.

Schalkes Jugendtrainer Norbert Elgert hat kürzlich gesagt: ‚Jeder will heute etwas sein, aber keiner will mehr etwas werden.‘ Wissen Sie, was er meint?

Skrzybski: Ich hatte bei Union einen ähnlichen Co-Trainer, der gesagt hat, dass man viel für das tun muss, was man am Ende erreichen will. Es fällt einem nichts in den Schoß. Es ist immer wichtig, dass man in der Jugend viel investiert, um dem Ziel Profi-Fußballer näher zu kommen. Fußball bedeutet heute: Man muss sich fast 24 Stunden mit seinem Beruf auseinandersetzen, um in diesem Strudel nicht herunter gezogen zu werden, sondern nach oben. Viele wollen Fußballer werden, der Markt wird immer größer und entsprechend die Leistungsdichte. Der eine will den anderen verdrängen. Daher musst du dich ständig und kontinuierlich verbessern. Wenn man sich den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht alles dafür gegeben zu haben, ist es das Schlimmste, was einem passieren kann.

Umso wichtiger, dass das Umfeld einen im Falle des Falles erdet?

Skrzybski: Das Umfeld formt dich ein Stück weit, aber als Mensch entwickelst du ja selbst deine Prinzipien, wie man mit gewissen Dingen umgeht. Ich persönlich bin mit meinem Umfeld sehr zufrieden. Ich bin froh, dass ich mich da auch mal fallen lassen und ein Stück weit vom dem Trubel abschalten kann.

Ist es wichtig, mal nicht an Fußball zu denken?

Skrzybski: Du musst dich auch mal mit anderen Sachen beschäftigen, um den Kopf freizubekommen und dann einen neuen Anlauf zu nehmen. Die Psyche ist im Fußball sehr, sehr wichtig.

Nach den Verletzungen Ihrer Kollegen waren sie plötzlich der einzig verbliebene Stürmer. Hatten Sie dadurch einen besonderen Druck?

Skrzybski: Ich habe es nicht als Druck wahrgenommen. Es ist immer blöd, wenn sich Mitspieler verletzen, weil du dann als Mannschaft weniger Optionen hast. Nach der Vorbereitung war ich selbst nah dran, den nächsten Schritt zu gehen – und auf einmal war auch ich gut vier Wochen verletzt. Da merkt man erst, wie sehr man selbst damit zu kämpfen hat. Daher weiß ich, wie die Kollegen in dieser Situation fühlen. Am Ende musst du die richtigen Lehren daraus ziehen.

Welche Lehren haben Sie für sich daraus gezogen?

Skrzybski: Dass es wichtig ist, wie man sich auf und neben dem Platz gibt. Vor allem habe ich gelernt, wie es ist, wenn du verletzt bist und nicht helfen kannst Besonders, wenn es nicht zwei, drei Spiele sind, sondern sieben oder acht. Das ist brutal anstrengend. Meine Frau hatte in der Zeit mit mir auch nicht den einfachsten Partner (lacht). Du nimmst vieles davon mit nach Hause und überlegst, wie man sich künftig davor schützen kann. Trotz der Verletzungen bin ich dankbar immer mehr zu lernen, wie mein Körper funktioniert.

Welche negativen Eigenschaften musste Ihre Frau in dieser Zeit ertragen?

Skrzybski: Wenn ich verletzt bin, bin ich sehr ungeduldig. Ich lache dann weniger. Selbst, wenn jemand einen Spaß macht, fasse ich es nicht unbedingt so auf. Wenn die Sonne scheint, ärgert man sich darüber. Wenn sie weg ist, ärgert man sich auch. In dieser Phase geht einem alles auf die Nerven, weil man eigentlich nur Fußball spielen will. Das ist vor allem für den Kopf sehr anstrengend. Was ich aber in der Form noch nicht erlebt hatte ist, wie sehr sich die Mitspieler um dich kümmern.

Die Hinrunde ist für Schalke sehr bescheiden gelaufen. Was muss jetzt anders laufen, damit die Rückrunde besser läuft?

Skrzybski: Wir müssen noch konsequenter an unsere Aufgaben herangehen. Jeder hat sich nach der Hinrunde hinterfragt, reflektiert, was er besser machen kann. Wir sind einige Dinge angegangen und haben ein gutes Gefühl – auch wenn aktuell vieles kritisch betrachtet wird, was ein Stück weit normal ist. Aber jeder ist sich der Lage bewusst, jeder will helfen und sich einbringen.

Mit wie vielen Toren werden Sie Schalke in der Rückrunde helfen?

Skrzybski: Ich habe mich noch nie so wirklich mit Zahlen befasst (lacht). Am Ende wirst du nur daran gemessen, damit tust du dir keinen Gefallen. Aber das soll jeder für sich handhaben. Für mich ist es wichtig, dass eine gewisse Konstanz in die Leistung reinkommt. Das ist wichtiger als die Anzahl an Toren.

Ist Schalke gerüstet für den Rückrunden-Start gegen Wolfsburg?

Skrzybski: Wir haben in der Vorbereitung gut und konzentriert gearbeitet – und sind natürlich zuversichtlich, dass man das am Sonntag auch sehen wird.

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Quelle: wa.de

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