22 Jahre nach "Cool Runnings": Adjei nimmt Olympia in Angriff

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Der dunkelhäutige Anschieber Richard Adjei ist nach dem Weltcup-Sieg in Königssee fast am Ziel seiner Träume.

Königssee - Anfangs wurde Richard Adjei beäugt wie einst die jamaikanischen Bob-Exoten 1988 bei den Winterspielen in Calgary. Nun ist er Medaillen-Kandidat bei den olympischen Rennen in Vancouver.

Der dunkelhäutige Anschieber Richard Adjei ist nach dem Weltcup-Sieg in Königssee fast am Ziel seiner Träume. “Ich will für mein Land nach Vancouver, dafür habe ich kein Weihnachten und kein Silvester gefeiert und nur hart trainiert“, sagt der 110 Kilogramm schwere und 1,90 Meter große Modellathlet aus Düsseldorf, der sowohl fließend bayerisch als auch niederländisch plappern kann. Er selbst beschreibt sich kurz und knapp so: “Mein Vater kommt aus Ghana, die Mama ist Deutsche, Augenfarbe braun, Haut auch.“

Dabei sein ist alles - Olympias Exoten

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Der bekennende Single, der vom Männermagazin “Playboy“ finanziell unterstützt wird und auf seiner Homepage auch als “Male-Model für Beautycode“ wirbt, hat turbulente Zeiten hinter sich. Für Adjei - beim Weltverband FIBT wird der Anschieber noch mit dem Beinamen Otto geführt wird, weil er mal bei einer Familie namens Otto gewohnt hatte - waren es zuletzt drei harte und entbehrungsreiche Jahre. Nachdem ihn Olympiasieger Christoph Langen bei den “Berlin Thunder“ in der europäischen National Football League (NFL) entdeckt hatte, erlernte er das Sprinten auf Eis und das sekundenschnelle Platz nehmen im engen Bob. “Christoph ist ein harter Hund, aber der Beste“, sagt Adjei, der mittlerweile als Obergefreiter bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist.

Anfangs wurde er als Quereinsteiger von einigen Kollegen der Branche belächelt und verspottet. “Doch ich bin eine Kämpfernatur, weil ich mein ganzes Leben nur gekämpft habe“, meint Adjei, der die Sache aus der Welt geschafft hat. Der ehemalige Linebacker hat sich kurzum “durchgeboxt“. So wie zum Jahreswechsel auch auf dem Bob von Thomas Florschütz, nachdem er zum Saisonauftakt schon bei André Lange aushelfen durfte: “Das war eine große Ehre für mich, mit dem weltbesten Piloten zu fahren“, betont der 26-Jährige.

Da die Anschubzeiten von Florschütz-Stammbremser Marc Kühne durchwachsen waren, reagierte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) und nahm Umbesetzungen vor. “Richard hat es verdient, er hat sich richtig reingehängt und den Anschubwettbewerb am 3. Januar in Oberhof gewonnen“, sagt BSD-Generalsekretär Thomas Schwab über den ersten dunkelhäutigen Bremser in der fast 100- jährigen deutschen Bob-Geschichte.

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Eine Woche später folgte der Jubel: Der WM-Zweite Florschütz verwies mit Adjei die Olympiasieger André Lange/Kevin Kuske aus Oberhof mit 5/100 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. “Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es in Königssee nur eine Verlegenheitslösung gewesen ist. Wenn man bedenkt, dass wir nur wenige Trainingsläufe gemeinsam hatten, waren die Anschubzeiten schon sehr ordentlich“, sagt Florschütz, während der Bremser betont: “Unser Timing stimmt noch nicht ganz, weil Flori am Bügel startet. Mein bisheriger Pilot Manuel Machata startete immer laufend an den Bügel.“ Beim Weltcup am Wochenende in St. Moritz kann Adjei nun seine Olympia-Teilnahme perfekt machen.

dpa

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