Formel-1: "Niemand weiß, wo er steht"

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Michael Schumacher legte in Melbourne die schnellste Trainingsrunde auf den Asphalt.

Melbourne - Sebastian Vettel und Co. haben in Melbourne endlich die ersten Runden der Saison 2012 gedreht. Es kam zu einer handfesten Überraschung.

Nach dem verregneten ersten Trainingstag down under weiß in der „Formel Nirwana“ noch niemand, wo er wirklich steht. Die erste Bestzeit für Vize-Weltmeister Jenson Button und die starken Vorstellungen von Rekordchampion Michael Schumacher oder Rückkehrer Nico Hülkenberg sind ebenso nur bedingt aussagekräftig wie der zwölfte Platz von Titelverteidiger Vettel, der sich vor allem im ersten Trainingsabschnitt noch „neben der Spur“ gefühlt hatte.

„Es ist ein Freitag. Ich weiß, dass alle auf eine Antwort brennen, aber ich glaube, wir müssen noch ein bisschen warten“, sagte Vettel, der wie all seine Verfolger zumindest bis zum ersten Qualifying des Jahres am Samstag (7.00 Uhr MEZ/RTL und Sky) immer noch im Dunkeln tappt. „Der Speed sollte da sein, wenn alles zusammenpasst. Wirklich wissen tun wir es nicht. Es kann viel passieren“, orakelte Vettel und setzte sich als perfekter Tiefstapler erstmal nur das Ziel, in die letzte Qualifying-Runde der zehn Schnellsten zu kommen.

Zur Erinnerung: 2011 stand Red-Bull-Pilot Vettel bei 15 von 19 Rennen auf der Pole Position. Auch in diesem Jahr ist er wohl eher wieder ganz vorne zu erwarten als Mercedes-Pilot Schumacher oder Überraschungsmann Hülkenberg im Force-India-Mercedes, die im zweiten Training am Nachmittag unter noch etwas schlechteren Streckenbedingungen die beiden Schnellsten waren.

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Schumacher gab sich dennoch vorsichtig. „Ich will jetzt nicht von Zuversicht sprechen, weil man es nach wie vor nicht wirklich einschätzen kann. Man weiß nicht, mit welchen Benzinmengen die anderen gefahren sind. Außerdem waren es gemischte Bedingungen. So kann man nicht wirklich sagen, wo wir im Vergleich zu den anderen stehen.“ Ähnlich äußerte sich auch Hülkenberg, der sich nur sicher war, dass ein zweiter Platz wohl „nicht repräsentativ“ ist. „Viele Leute sind da noch mit den härteren Reifen, viele mit vollem Tank gefahren. Ich sehe uns am Samstag nicht in dieser Position“, meinte „Hulk“: „Ich kann zwar zusammenzählen, was wir vielleicht können, aber ich weiß halt immer noch nicht, was die Konkurrenz macht. Es war die Spekulation, am Freitag wissen wir alle, was los ist. Aber durch die kuriosen Wetterbedingungen wissen wir immer noch nicht, was Sache ist.“

Das wechselhafte Wetter mit mehrfachen Schauern hatte die Ungewissheit über das übliche Tarnen und Täuschen hinaus sogar noch verstärkt. „Wie üblich hat das Freitagstraining nicht die Antworten geliefert, die viele Leute gesucht haben. Die wechselnden Bedingungen haben sogar eher noch ein paar mehr Fragen aufgeworfen“, sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, der sich über die Tagesplätze eins und zwei von Button und Lewis Hamilton freuen durfte. Auch für Mercedes-Sportchef Norbert Haug ist das Bild noch „nicht schlüssig“.

Mit den Plätzen drei und sechs für Schumacher und Nico Rosberg war er zufrieden, „weil es wichtig ist, wie sich die Fahrer im Auto fühlen und dass sie Vertrauen haben. Und das ist offensichtlich der Fall.“ Schumacher ist „definitiv froh über das Handling des Autos. Es fühlt sich wie ein gutes Auto an, und ich hoffe, dass sich das auch in Resultaten zeigt.“ Rosberg äußerte sich ähnlich. „Ich fühle mich sehr wohl im Auto, was für mich heute das Wichtigste ist“, sagte er: „Alles lief gut, und es gab keine Überraschungen. Aber herauszufinden, wo wir im Vergleich zu den anderen wirklich stehen, war unter diesen Bedingungen unmöglich.“

Ganz andere Ziele hatte am Freitag Timo Glock, der nach den verpassten Testfahrten die ersten echten Kilometer im neuen Marussia-Cosworth drehte. „Es hat ein paar lächelnde Gesichter in der Box gegeben“, berichtete Glock, der insgesamt 21. wurde und im zweiten Trainingsteil sogar auf Rang 12 gelegen hatte.

SID

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