Fahrer-Karussell dreht sich

Wechsel-Gerüchte um Schumi und Hamilton

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Michael Schumacher (r.) und Lewis Hamilton

Singapur - Nach wochenlangen Spekulationen naht in der Königspersonalie der Formel 1 die Entscheidung. Verlängert Lewis Hamilton seinen Vertrag bei McLaren oder löst er Michael Schumacher bei Mercedes ab?

Mit qualmenden Reifen brennt Lewis Hamilton seine Initialen in den Asphalt von Singapur. Der Werbegag eines Whisky-Herstellers liefert das perfekte Bild vom derzeit heißesten Spekulationsobjekt der Formel 1: Hamiltons Unterschrift. Die Millionen-Frage lautet: Bleibt der Brite dem McLaren-Team doch treu oder schickt er etwa Michael Schumacher bei Mercedes in Rente? Die Branche wartet nervös auf die Entscheidung, die kräftig Bewegung in den Fahrermarkt für 2013 bringen könnte.

Hamilton und Schumacher sind die Königsfiguren. Jede Aussage, jeder Schritt im Fahrerlager des grell ausgeleuchteten Marina Bay Street Circuit wird beobachtet und interpretiert. „Ich habe keine Neuigkeiten, also seid klug und nutzt die Zeit für andere Fragen“, ermahnt der WM-Zweite Hamilton die wartenden Journalisten. Altmeister Schumacher ist ohnehin zu erfahren, um gewitzten Reportern in die Falle zu tappen. „Sorry“, sagt der 43-Jährige mit einem Lächeln, vor Oktober werde es keine Auskunft geben.

Die Hängepartie lässt die Gerüchte blühen. Hamilton wolle eine Gehaltskürzung bei McLaren nicht hinnehmen, heißt es. Mercedes sei hingegen bereit, seine Gagenforderung zu erfüllen. Zudem sei der schwäbische Autobauer inzwischen gewillt, Rekordchampion Schumacher zu „opfern“, wie die „Bild“-Zeitung (Freitag) erfahren haben will. Dagegen berichtet die „Welt“ (Freitag), der siebenmalige Weltmeister könne dank einseitiger Option selbst entscheiden, ob er 2013 und 2014 noch weiterfährt.

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Nico Rosberg sorgt sich indes nicht um seine Zukunft im Silberpfeil. „Natürlich verfolge ich die Gerüchte“, sagt der 27-Jährige. „Ob Michael oder Lewis 2013 mein Teamkollege sein wird? Da habe ich auch nicht mehr Informationen als alle anderen im Fahrerlager“, beteuert der Wiesbadener.

Das Rätselraten geht weiter. Längst haben sich potenzielle Hamilton-Nachfolger bei McLaren in Position gebracht. Der Mexikaner Sergio Perez ist derzeit vor dem Briten Paul di Resta und dem Finnen Heikki Kovalainen Favorit. „Ich traue mir zu, auch bei einem Top-Team einen guten Job zu machen und um den Titel zu fahren“, versichert der Sauber-Pilot. Eben noch hatte Ferrari-Boss Luca di Montezomolo dem 22-Jährigen einen Mangel an Erfahrung attestiert und einen Transfer zur Scuderia vorerst ausgeschlossen.

Auch bei Ferrari könnte nämlich ein Cockpit frei werden. Felipe Massas Kontrakt läuft aus, der Brasilianer hat mit vielen schwachen Rennen mächtig Kredit verspielt. Aber Massa ist bei weitem nicht allein: Knapp die Hälfte der 24 Fahrer muss noch zittern.

Keine Personalie aber löst in der als „silly season“ bekannten Zeit der Transferspekulationen auch nur annähernd solchen Wirbel aus wie der Fall Hamilton/Schumacher. „Hamilton ist der Schlüssel zur verrücktesten 'silly season' seit langem“, urteilte der „Daily Telegraph“ am Freitag.

Teamchef Peter Sauber kokettiert unterdessen mit einer Verpflichtung von Michael Schumacher. „Ich würde ihn sofort nehmen“, sagte der Schweizer zu auto, motor und sport. Ebenso schmunzelnd sagte er dem Blick: „Ich glaube, viele Teams wären bereit, mit Michael zu sprechen.“ Verhandelt hat Sauber mit Schumacher, den er einst im Junior-Team von Sauber-Mercedes betreute und dem er durch die Zahlung von 150.000 Pfund den ersten Start in Spa ermöglichte, offenbar noch nicht. Ernst werden könnte das Thema sicher erst, wenn Schumacher von sich aus auf seinen einstigen Förderer zukäme.

Der 43-Jährige Schumacher schweigt beharrlich zu seiner Zukunft, die sich im Oktober entscheiden soll. Er liefert den Hobby-Hellsehern noch ein kleines Indiz, als er von seinem Ausflug zu den Probefahrten seines Teams in der Vorwoche in Magny-Cours berichtet. Obwohl die Tests den Nachwuchsfahrern vorbehalten blieben, inspizierte der Routinier im Gegensatz zu Rosberg vor Ort aufmerksam die Neuentwicklungen, die auch schon für die kommende Saison gedacht sind. Macht das einer, der am Jahresende in den endgültigen Ruhestand geht?

Nur Red-Bull-Duo für 2013 schon klar

Nur Sebastian Vettels Red-Bull-Team hat sich schon auf ein Fahrerduo für die kommende Formel-1-Saison festgelegt. Bei allen anderen Rennställen ist noch mindestens ein Cockpit nicht endgültig vergeben. Der Fahrermarkt im Überblick:

Red Bull: Auch wenn Sebastian Vettel immer mal wieder mit Ferrari in Verbindung gebracht wird - der Titelverteidiger hat noch einen Vertrag bis 2014. Mark Webber hat noch einmal um ein Jahr verlängert.

McLaren: Lewis Hamilton steht im Zentrum vieler Spekulationen. Geht er zu Mercedes oder unterschreibt er doch einen Anschlussvertrag? Jenson Button hat sich langfristig ans Team gebunden.

Ferrari: Fernando Alonso will bei Ferrari in Rente gehen, wie er sagt. Der WM-Spitzenreiter besitzt einen Vertrag bis 2016. Felipe Massa droht das Aus am Saisonende.

Mercedes: Michael Schumachers Zukunft ist noch immer ein Geheimnis. Sein Dreijahresvertrag läuft aus, im Oktober soll die Entscheidung verkündet werden. Nico Rosberg ist langfristig unter Vertrag.

Lotus: Kimi Räikkönen hat bei seinem Comeback fast alle Erwartungen erfüllt und wird wohl bleiben. Romain Grosjean steht noch unter Beobachtung, hat aber ebenfalls gute Chancen.

Sauber: Sergio Perez war schon bei Ferrari und McLaren im Gespräch. Am wahrscheinlichsten ist, dass er bleibt. Auch Kamui Kobayashi hat nicht enttäuscht und darf wohl weiterfahren.

Force India: Nico Hülkenberg sieht „gute Chancen“ auf ein weiteres Jahr beim Team. Paul di Resta hat sich ebenfalls empfohlen, gilt aber auch als Kandidat bei Mercedes und McLaren.

Williams: Pastor Maldonado stärkte seine Position mit dem Sieg in Barcelona und bringt zudem Geld aus Venezuela mit. Bruno Senna muss dagegen zittern. Testpilot Valtteri Bottas könnte befördert werden.

Toro Rosso: Daniel Ricciardo dürfte ein weiteres Jahr beim Red-Bull-Schwesterteam lernen dürfen. Auch mit Jean-Eric Vergne wollen die Teamverantwortlichen noch Geduld haben.

Caterham: Heikki Kovalainen hat sein Cockpit für 2013 praktisch sicher. Dagegen steht der Russe Witali Petrow vor dem Aus, weil der Russe wohl nicht mehr genug Sponsorengeld mitbringt.

Marussia: Für Timo Glock gibt es wohl kaum Alternativen. So wird er auch im vierten Jahr den Aufbauhelfer bei Marussia spielen. Kollege Charles Pic wird bei Caterham gehandelt.

HRT: Routinier Pedro de la Rosa hat noch einen Vertrag für die kommende Saison. Narain Karthikeyan könnte für den chinesischen Testfahrer Ma Qing Hua weichen müssen.

sid/dpa

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