„Gibt viele Sorgen, die die Menschen gerade haben“

Tatort-Star Jan Josef Liefers kritisiert Weitergabe von Bewegungsprofilen - „Da wurde niemand gefragt“

Tatort-Kommissar Jan Josef Liefers äußerte sich kürzlich zum Umgang mit der Coronakrise und zog einen gewagten Vergleich zu ehemaligen DDR-Methoden.

  • Tatort-Kommissar Jan Josef Liefers holte zum Rundumschlag im Thema Coronakrise* aus.
  • Neben dem Umgang der Politik mit der Bevölkerung kritisierte er auch die Methoden des Staats.
  • Der Schauspieler formulierte dazu einen gewagten und kritischen Vergleich.

Berlin - Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers äußerte sich am Donnerstag in einem Interview mit der Bild zur Coronakrise* und dem Umgang sowie den Informationsflüssen zur Bevölkerung seitens der Politik. Der in der DDR geborene Liefers zieht dazu einen gewagten Vergleich.

Jan Josef Liefers über die Krise: „Habe das Gefühl, dass mir Dinge fehlen, um mir ein Bild zu machen“

„Ich habe immer das Gefühl, dass mir ganz wichtige Dinge fehlen, um mir mein eigenes Bild zu machen. Ich glaube, dass ich dieses Gefühl mit einigen Menschen teile“, meint der besorgte TV-Kommissar. Einer Ausgangssperre sieht er eher kritisch entgegen. „Es ist ja so etwas wie Stubenarrest“, so der gebürtige Dresdner. „Das fände ich nicht gut, vielleicht auch nicht mal sinnvoll.“ Jedoch würde Liefers im Extremfall Verständnis aufbringen. „Wenn es wirklich der Eindämmung einer Epidemie und zur Rettung von Menschenleben dient, dann bitte.“ 

Auf die Frage, ob Angela Merkel in ihrem Statement die offenen Fragen von Liefers hat beantworten können, verneinte der Tatort-Ermittler klar. „Nein, hat sie nicht. Ich glaube aber auch nicht, dass man das von ihr hätte erwarten müssen. Es war eine etwas allgemein gehaltene Rede ans Volk. Ich habe nichts Neues gehört, was ich nicht schon davor gehört hätte.“ 

Tatort-Star Liefers über Coronakrise: „Es gibt viele Sorgen, die die Menschen gerade haben“

Was hatte Liefers bei Merkels Fernseh-Statement am Mittwochabend missfallen? „Es gibt sicher viele Sorgen, die die Menschen gerade haben. Wie geht es weiter? Wie kann man wieder Geld verdienen?“ „Ich arbeite beim Film aber auch als Musiker, dort steht alles still. Filmdrehs wurden gestoppt.“ Sich selbst sieht Liefers lange nicht so sehr in Gefahr, wie andere Mitarbeiter seiner Branche. 

„Es gibt im Filmgeschäft viele andere Leute, wie solche, die im Team arbeiten, es gibt Fahrer, Leute vom Catering, Beleuchter, Kamera und Assistenten“, zählt Liefers auf. „Für die sieht es anders aus und da gibt es auch existenzielle Fragen. Und davon habe ich gestern nichts gehört.“

Jan Josef Liefers: Gewagter DDR-Vergleich mit Handydaten und Bewegungsprofilen

Ein positives Gefühl hat ihm die Merkel-Ansprache am Ende also nicht gegeben. „Wenn man weiterdenkt, dann ist das, was im Hintergrund läuft, schwer als etwas Positives zu sehen. Irgendwie hat man das Gefühl, die Katze ist noch nicht ganz aus dem Sack. Es gibt sehr düstere Prognosen, viele Prognosen sind zum Teil widersprüchlich und basieren letztlich aus Annahmen.“

Als Liefers auf seine DDR-Vergangenheit angesprochen wird, zieht er einen Vergleich zwischen heutigen und damaligen Methoden. „Natürlich regt sich erstmal bei mir Protest, wenn ich lese, dass unsere Bewegungsprofile von der deutschen Telekom ans Robert-Koch-Institut einfach weitergegeben und analysiert werden. Das ist erstmal krass, da wurde niemand gefragt.“ Im darauffolgenden Satz ordnet Liefers seine Aussagen jedoch ein. „Andererseits ist es so, dass ich den Unterschied sehe: Es ist kein totalitäres Regime, das versucht, herum zu spitzeln. Am Ende fällt hier eine Freiheit und ich gehe davon aus und hoffe, dass das vorübergehend ist.“

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