„Herr Bimbo“ erhitzt Gemüter

Irrer Streit um deutschen Kultfilm: Rassistische Sprüche - oder „sehr frühes" Positivbeispiel?

Otto Waalkes (l) und Günther Kaufmann als US-Soldat in einer Szene des Films "Otto - Der Film" (1985
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Otto Waalkes (l) und Günther Kaufmann als US-Soldat in einer Szene des Films «Otto - Der Film» (1985). Foto: Wolfgang Jahnke/Rialto Film /dp

Ein deutscher Kultfilm kam vor 35 Jahren in die Kinos. Darin wurden rassistische Begriffe für einen Schwarzen verwendet. Nun entbrennt ein wilder Streit - Rassismus oder Positivbeispiel?

  • Vor 35 Jahren kam die bekannte Kult-Komödie „Otto - der Film“ in die deutschen Kinos.
  • Damals verwendeten die Darsteller rassistische Begriffe für einen Schwarzen.
  • Nun gibt es Streit um deren Verwendung.

Berlin - Die deutsche Kult-Komödie „Otto - der Film“ sollte jedem ein Begriff sein, der auch den Namen Otto Waalkes noch kennt. Genau vor 35 Jahren kam der Blödelstreifen des Schauspielers und Regisseurs in Deutschlands Kinos. Zu diesem Jubiläum soll er in einigen Kinos ab Ende Juli wieder zu sehen sein. Neben „Fack ju Göhte“ und „Der Schu des Manitu“ zählt er zu den erfolgreichsten deutschen Kinoproduktionen. Doch wer sich heute dem Humor von „Otto - der Film" hingibt, auf den wird die Wortwahl in der ein oder anderen Szene wohl äußerst befremdlich wirken. Vor allem dann, wenn es um einen Schwarzen in Uniform geht.

Wilder Streit um deutschen Kultfilm: Rassistische Sprüche oder „sehr frühes" Positivbeispiel?

Der damals gängige Humor, ist heute offenbar nicht mehr ohne weiteres vermittelbar. Dies macht besonders eine Szene deutlich „Aaaah, schwarze Füß!“ ruft ein von Günther Kaufmann dargestellter Soldat einmal aus - und verwendet dann fragend an Otto die rassistische Bezeichnung für Schwarze, die heute mit dem Begriff „N-Wort“ umschrieben wird. Auch Otto hat das Wort zuvor schon benutzt und dem Mann erläutert: „Schwarzer Kopf, schwarzer Bauch, schwarze Füß.“ Otto zieht die Socken aus, um seine dreckigen Füße zu zeigen, worauf Kaufmanns Figur lachend versteht und eben fragt: „Du Neger?“

Einigen geht die erneute Ausstrahlung des Kultfilms in Kinos und für die Abonnenten des Streaming-Anbieters Netflix wegen der Verwendung der rassistischen Begriffe zu weit. Das Stadtmagazin „tip Berlin“ kommentierte neulich beispielsweise, es sei verstörend, den Otto-Film heute anzugucken: „An mehreren Stellen im Film werden schwarze Menschen diffamiert. Das N-Wort fällt und es gibt eine ganze Szene, in der Otto gemeinsam mit einem dunkelhäutigen US-Soldaten (gespielt von Günther Kaufmann) einen Trickbetrug durchzieht und den afroamerikanischen GI, den er auch noch ‚Herrn Bimbo‘ nennt, einer älteren Dame als Sklaven verkauft.“

Wilder Streit um deutschen Kultfilm: Produktionsfirma wehrt sich gegen Rassismus-Vorwurf

Doch die Produktionsfirma Rialto Film in Berlin sieht alles ganz anders: „Die Szene in „Otto - der Film“, in der Otto und ein dunkelhäutiger GI versuchen, einer unfassbar törichten Person einen Sklaven zu verkaufen, ist möglicherweise ein sehr frühes Beispiel für anti-rassistische Komik im deutschen Film“, sagt Geschäftsführer Matthias Wendlandt und verteidigt sowohl die Drehbuchautoren Bernd Eilert, Robert Gernhardt und Pit Knorr als auch Otto Waalkes.

Die Drehbuchautoren seien als Mitglieder der Neuen Frankfurter Schule und Gründer der Satirezeitschrift „Titanic“ über den Verdacht rassistischer Haltung erhaben. Ihre Darstellung einer völlig unreflektiert, in selbstverständlichem Rassismus verhafteten „Sklaven-Käuferin“ sei „eine deutlich erkennbare Satire." Und weiter: „Wer diese groteske Szene als rassistisch empfindet, bringt offensichtlich ein Vorurteil mit, das sich durch die bloße Nennung bestimmter Begriffe gerechtfertigt wähnt, ohne die Absicht, den Zusammenhang und eine andere Deutung auch nur in Betracht zu ziehen.“

Wilder Streit um deutschen Kultfilm: Rassismusdebatte spaltet Gesellschaft

Tahir Della, Sprecher des Vereins Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, hält diese Haltung jedoch für einen Mangel an Rassismusverständnis: „Dass selbst bei solch offenkundigen rassistischen Inhalten noch geleugnet wird beziehungsweise eine anti-rassistische Intention „reingezaubert“ wird, ist symptomatisch für das mangelnde Rassismusverständnis“, so Della. Seiner Meinung nach sollte für den Abbau rassistischer Verhältnisse auch der Bereich Humor Beachtung finden: „ Wenn diskriminierender Humor normalisiert wird, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn es zu Schlimmerem kommt. Und Traditionen, die diskriminieren, verletzen und ausgrenzen, sind nicht erhaltenswert.“

Die Rassismusdebatte in Deutschland spaltet also zunehmend die Gesellschaft. Einerseits fordern Menschen, den den Betroffenen zuzuhören und umstrittene Begriffe einfach nicht mehr zu verwenden. Andererseits herrscht die Meinung, dass mit dem schweren Vorwurf des Rassismus zu leichtfertig umgegangen wird. (jbr)

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