Unmoralischer Lebensmittelmarkt

Ausbeutung bei Lieferanten von Aldi, Lidl, Edeka und Rewe - Oxfam testet Menschenrechte bei Supermärkten

Lebensmittelproduzenten werden immer stärker hinterfragt. Eine Untersuchung zeigt jetzt: Aldi, Lidl, Edeka und Rewe könnten moralischer handeln.

  • Nicht nur die Lebensmittel, auch ihre Lieferketten werden von vielen Verbrauchern bewusster begutachtet.
  • Missstände bei Arbeitsbedingungen werden vor allem aktuell scharf kritisiert.
  • Supermärkte wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl könnten insgesamt noch moralischer handeln.

NRW - Beim Lebensmitteleinkauf gibt es viele Aspekte, auf die Verbraucher achten können. Welche Zutaten hat das Produkt? Ist es vegan oder umweltfreundlich? Gibt es eine günstige Alternative? Doch auch die Arbeitsbedingungen bei den Herstellern werden immer mehr infrage gestellt, berichtet RUHR24.de*.

Hilfsorganisation

Oxfam

Gründer

Cecil Jackson-Cole

Gründung

1942, in Oxford, Vereinigtes Königreich

Zentrale

Nairobi, Kenia

Oxfam durchleuchtet Supermärkte wie Edeka, Rewe, Aldi und Lidl nach Fairness in den Lieferketten

Ein Auslöser dafür sind wohl die Missstände bei den Fleischfabriken von Tönnies und Westfleisch, die durch die Coronavirus-Krise Aufmerksamkeit erregten. An Standorten der Fleischproduzenten in NRW kam es aufgrund der teils unhygienischen Wohnbedingungen für Gastarbeiter zu einer rasanten Ausbreitung des Virus. Auch Stiftung Warentest konnte bei einer Untersuchung von Fleisch die fragwürdigen Arbeitsbedingungen bestätigen*.

Viele Verbraucher fragen sich jetzt, welche Firmen und Supermärkte insgesamt moralischer handeln. Dieser Frage geht auch die Organisation Oxfam bereits zum dritten Mal nach und stellte in diesem Jahr fest: Aldi, Lidl, Rewe, Edeka und Co. könnten insgesamt mehr für den fairen Lebensmittelhandel tun.

Oxfam: Supermärkte wie Edeka, Lidl, Aldi und Rewe könnten insgesamt mehr tun

Gemeint sind damit gleich mehrere Aspekte, die Supermärkte bei ihren Lieferketten beachten könnten, wenn sie denn wollen. Dazu zählen: Rechte von Angestellten, Frauenrechte, Umgang mit Kleinbauern sowie Transparenz gegenüber dem Kunden und die Unternehmensführung. Alle Kategorien werden nach Prozentsätzen und Farben bewertet, wobei das Muster von rot über orange und gelb bis hin zu hellgrün und grün (höchste Stufe) reicht.

Dabei ernüchternd: Mit orange und einer Gesamtwertung von 32 Prozent schneidet Lidl unter den deutschen Supermärkten am besten ab. Der Discounter habe laut Oxfam im Vergleich zum Vorjahr einen Sprung von ca. 9 Prozent gemacht. Rewe, Edeka und Aldi schneiden wesentlich schlechter ab.

Wer faire Bedingungen beachten will, kann beim Einkauf schon an seine Grenzen stoßen. Edeka, Rewe, Lidl und Aldi könnten laut Oxfam mehr tun.

Oxfam testet Lidl, Aldi, Rewe und mehr: Edeka schneidet am schlechtesten im internationalen Vergleich ab

So schafft es Edeka auf gerade mal 3 Prozent und einer roten Kachel in der Gesamtwertung. Damit bildet der Supermarkt auch im internationalen Vergleich das Schlusslicht unter 16 untersuchten Lebensmittelhändlern. Doch wie kommen die miserablen Ergebnisse zustande?

Vor allem die günstigen Preise in deutschen Supermärkten bieten scheinbar nur wenig Spielraum, um Kleinbauern und die Arbeiter von Lebensmittellieferanten angemessen zu bezahlen. Im deutschen Lebensmittelhandel halten Lidl, Aldi, Rewe und Edeka 85 Prozent der Marktanteile. An ihnen kommt man kaum vorbei. Die großen Konzerne haben damit die Macht die Preise und Konditionen für Lieferanten nach ihren Vorgaben zu bestimmen (mehr Service-Artikel auf RUHR24.de*).

So kommt es laut Oxfam zu den Missständen bei Edeka, Rewe, Aldi und Lidl 

Die Konsequenz aus dieser Machtposition: Edeka und Rewe, aber vor allem die Discounter Lidl und Aldi wollen den anderen mit ihren Preisen unterbieten und damit die Kunden locken. Doch genau das geht auf die Kosten der Löhne für die Arbeiter und Kleinbauern in den jeweiligen Anbauländern.

Oxfam hat auch untersucht, ob die Supermärkte bei ihren Lieferanten nicht nur auf die möglichst niedrigen Einkaufspreise, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen achten. Aldi Süd und Nord, Lidl und Rewe behaupteten dabei, dass sie bei ihrer Einkaufspolitik die Einhaltung der Menschenrechte beachten, konkrete Belege dafür haben sie allerdings nicht geliefert.

Edeka, Rewe, Lidl und Aldi im Test: Oxfam fordert Lieferkettengesetz

Die Hilfsorganisation ist überzeugt, dass Druck von außen dazu beitragen kann, dass die Supermärkte sich verbessern und ihre Lieferketten transparenter und fairer gestalten. Die Fortschritte bei Lidl führt Oxfam beispielsweise auf Kampagnen zurück, die jahrelang auf katastrophale Zustände etwa auf Bananenplantagen hingewiesen haben. Hierfür wurde vor allem Lidl lange verantwortlich gemacht.

Insgesamt sei es aber nicht Aufgabe einer Hilfsorganisation, die Einhaltung grundlegender Menschenrechte bei Lieferketten von Edeka, Rewe, Aldi und anderen Supermärkte zu kontrollieren. Deswegen fordert Oxfam seit Jahren ein Lieferkettengesetz, welches "alle transnational tätigen Unternehmen in die Pflicht nimmt".

Supermärkte wie Edeka, Rewe, Lidl und Aldi haben laut Oxfam viele Möglichkeiten, sich zu verbessern

In anderen Ländern würde das bereits gut funktionieren. Insgesamt kommt Oxfam auch zu dem Urteil, dass Unternehmen wie Edeka, Aldi, Lidl und Rewe genug Möglichkeiten haben, die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren Lieferanten zu verbessern, es aber oft einfach nicht tun. Möglicherweise, weil die wirtschaftlichen Interessen schlichtweg im Vordergrund stehen.

In Bezug auf Tönnies und das Coronavirus haben einige Supermärkte bereits reagiert: Rewe, Lidl und Aldi ziehen ihre Konsequenzen aus dem Vorfall*. Die Märkte schränken ihre Zusammenarbeit mit dem Fleischkonzern ein. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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