Daten aus 13 Ländern

Angst vor Corona? Weniger Krebs-Behandlungen während des Lockdowns

Die Zahl der Krebs-Behandlungen während des Corona-Lockdowns geht zurück. Was sind mögliche Gründe? (Symbolbild)
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Die Zahl der Krebs-Behandlungen während des Corona-Lockdowns geht zurück. Was sind mögliche Gründe? (Symbolbild)

Während des Corona-Lockdowns ging die Zahl der Krebs-Behandlungen zurück. Das bestätigt eine neue Studie der Helios-Kliniken.

  • Der Corona*-Lockdown hat Auswirkungen auf die Diagnose und Behandlungen von Krebs-Erkrankungen.
  • Krebs-Patienten wurden 10 bis 20 Prozent weniger therapiert während des Corona-Lockdowns.
  • Krebs sei in den meisten Fällen gefährlicher als Covid-19.

Berlin - Der Corona-Lockdown im vergangenen Jahr hatte gravierende Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Aber nicht nur das, auch die medizinische Versorgung litt enorm unter den Konsequenzen der Corona-Krise. Das bestätigt nun auch ein großer deutscher Klinikbetreiber.

Demnach gab es während des Corona-Lockdowns im Frühling 2020 weniger Krebsbehandlungen als zur gleichen Zeit 2019. Die Studie von Autoren um Mediziner Peter Reichardt vom Helios-Klinikum Berlin belegt ein Rückgang der stationären Aufnahmen für Diagnostik und Therapie von 10 bis 20 Prozent. Patienten über 75 seien besonders betroffen, so der Mediziner.

Weniger Krebs-Behandlungen im Corona-Lockdown: Helios-Studie analysiert Daten aus 13 Ländern

In der Studie wurden 69.000 Krebs-Fälle von 75 Helios-Kliniken in 13 Bundesländern analysiert. Die Autoren halten die Ergebnisse für repräsentativ für das ganze Bundesgebiet. Betrachtet wurden der Zeitraum zwischen Mitte März und Ende April sowie der Zeit unmittelbar danach bis Mitte Juni 2020. Diese wurden mit den entsprechenden Zeiträumen im Jahr 2019 verglichen. Besonders betroffen war nach Angaben der Autoren größere Kliniken und Krankenhäuser in Bundesländern mit höheren Covid-19-Fallzahlen.

Daten der Studie
Bundesländer13
Helios-Kliniken75
Analysierte Fälle69.000

Auf den ersten Blick könnte man nun darauf schließen, dass es einfach weniger Krebs-Erkrankungen als im Jahr 2019 gab. Laut Reichardt sei die Zahl allerdings nicht gesunken, „sondern die Erkrankungen wahrscheinlich erst später festgestellt“. Gerade bei Krebs sei ein früher Therapiestart entscheidend über den Krankheitsverlauf und die Überlebenschancen.

Krebs und Corona: Gründe hinter dem Rückgang müssen geklärt werden

Nun sei es wichtig, die Gründe hinter dem Rückgang der Krebs-Behandlungen zu klären. Vermutet wird die Angst der Patienten vor einer Ansteckung im Krankenhaus und die Schließung von Arztpraxen im Corona-Lockdown. Für Antworten auf die Frage, ob der Rückgang an Behandlungen und Diagnosen auch zu einer höheren Sterblichkeit führe, sei es noch zu früh, sagte Lorenz Trümper, der Geschäftsführende Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, auf dpa-Anfrage.

Er beklagt zudem eine Datenlücke: „Das Krebsregisterwesen funktioniert in Deutschland bisher nicht so, wie wir es brauchen.“ Andere Länder hätten bereits Daten, hierzulande sei ein Fazit wohl erst nach der Corona-Pandemie möglich. Zudem relativierte er die Ergebnisse der Helios-Studie. Man könne annehmen, dass ein Teil der Patienten statt im Krankenhaus ambulant behandelt wurden.

Während Corona: Ambulante Krebstherapie Grund für die sinkenden Zahlen?

Daten aus der niedergelassenen Onkologie zeigten demnach lediglich einen Rückgang der Behandlungen um etwa acht Prozent in der Haupt-Lockdownphase, danach seien die Zahlen schnell wieder angestiegen. Der in der Studie beobachtete Rückgang der Krankenhausaufnahmen könne zudem teils auch dadurch bedingt sein, dass zu der Zeit weniger Krebs-Patienten während der Therapie nach Hause entlassen wurden.

Im ersten Lockdown mussten zudem genug Betten für einen möglichen Ansturm an Covid-19-Patienten freigehalten werden. Diese Regelung gibt es nun, im zweiten Lockdown, nicht mehr. Laut Trümper seien Krebspatienten von der Verschiebung nicht dringlicher Eingriffe weniger betroffen. Es gebe maximal eine Verschiebung um einzelne Tage.

Krebs-Patienten sollen trotz Lockdown zur Untersuchung gehen

Trotz des derzeit geltenden zweiten Corona-Lockdowns sollten Patienten weiterhin Untersuchungen und Behandlungen wahrnehmen, so der Mediziner. Vorsichts- und Schutzmaßnahmen seien ausreichend getroffen, damit Patienten ihre Therapien ohne Ansteckungsrisiko wahrnehmen können. Schließlich sei für die allermeisten Patienten Krebs „eine weitaus größere Gefahr für ihr Leben“ .

Experten warnten jedoch Ende 2020 vor der Vernachlässigung von Patienten mit einer Krebs-Erkrankung. „Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren“, kritisierte die Corona-Task Force - eine Kooperation der der Deutschen Krebshilfe (DKH), dem Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutscher Krebsgesellschaft (DKG). (ebb mit dpa) *hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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