Kunden haben es oft schwer

Gutes Eis erkennen: Eisdielen greifen zu fiesen Tricks – vor allem bei einer Sorte

Eis in einer Waffel
+
An heißen Sommertagen gehört es einfach dazu: Eis! Aber nicht jedes ist wirklich gut.

Erdbeere, Schoki, Pistazie oder ganz klassisch Vanille: Eis aus der Eisdiele kommt in unzähligen Sorten daher. Doch nicht immer ist es auch wirklich gut.

Dortmund – Zugegeben: Wir könnten jeden Tag Eis essen, egal ob Sommer oder Winter. Aber jetzt hat die kühle Süßigkeit Hauptsaison. Eisdielen haben geöffnet und locken mit cremigen Sorten in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Doch Vorsicht: Nicht jedes Eis ist auch wirklich gut. Bei einer Sorte sollten Kunden besonders aufpassen.

OrtEisdiele, Eiscafé
Weitere BezeichnungenEissalon (Österreich), Gelateria (Schweiz)
AngebotSpeiseeis

Eis essen im Sommer: Nicht immer das drin, was drauf steht

Mal eben in die nächste Eisdiele und ein Eis weg schnabulieren. Das kann man machen – gerade wenn die Sonne knallt und Temperaturen über 30 Grad* herrschen. Besser ist es aber, wenn man weiß, worauf es bei einem guten Eis ankommt. Und vor allem, wenn man sich sicher sein kann, dass auch das drin ist, was drauf steht. Denn damit nehmen es manche Eisdielen nicht ganz so genau.

Gerne tricksen Eisdielen bei Nusseis. Eigentlich müssten mindestens fünf Prozent Nüsse enthalten sein, doch nicht immer können Eisfans sich darauf verlassen. Zudem muss zwischen Nusseis und Eis mit Nussgeschmack unterschieden werden. Letzteres erhält den nussigen Geschmack lediglich durch Aromastoffe. Nüsse kommen darin nicht vor.

Eis essen: Oft dürfte sich Pistazieneis gar nicht Pistazieneis nennen – sondern nur Eis

Besonders beim beliebten Pistazieneis müssen Kunden aufpassen, wie das NDR-Format Markt herausgefunden hat. In Stichproben haben die Reporter Nusseis-Sorten unter anderem im Labor getestet. Das Ergebnis: Häufig wird geschummelt.

Teilweise wurden in Pistazieneis sogar Aromastoffe verwendet, die in der EU verboten sind und zudem nicht einmal einen Pistaziengeschmack vorweisen können. Die Bezeichnung Pistazieneis wäre eigentlich nicht zulässig – es dürfte sich lediglich Eis nennen (mehr Lifehacks* bei RUHR24).

Gutes Eis zu erkennen ist nicht immer einfach – und Verkäufer nicht immer ehrlich

Auch beim Walnusseis stießen die Tester auf ein Aroma, das leider nur wenig mit dem Geschmack einer Walnuss zu tun hatte. Nur selten kommt in Eisdielen das reine Mark aus Pistazien, Haselnüssen oder Walnüssen zum Einsatz.

Das große Problem: Die Möglichkeiten als Kunde sich über Zutaten zu informieren, sind laut Markt begrenzt. Denn bei lose verkaufter Ware müssen Zutaten nicht angegeben werden und das Verkaufspersonal würde nur in den seltensten Fällen ehrlich antworten.

Verschiedene Eis-Arten sind festgelegt – allerdings müssen Eisdielen sich nicht daran halten

Dann vielleicht lieber eine andere Sorte Eis – oder Eiscreme? Eis ist nicht gleich Eis. Wie es sich nennen darf, regelt das Deutsche Lebensmittelbuch:

  • Eiscreme: Enthält mindestens zehn Prozent Milchfett.
  • Milcheis: Enthält mindestens 70 Prozent Milch.
  • Sahneeis: Enthält mindestens 18 Prozent Milchfett aus Sahne.
  • Cremeeis: Enthält Ei.
  • Fruchteis: Enthält 20 Prozent Frucht.

Das klingt nicht schlecht, allerdings sind Eisdielen laut Utopia nicht verpflichtet, diesen Angaben zu folgen.

Eisberge in der Eisdiele: Sieht hübsch aus – deutet aber auf Mängel hin

Wie also gutes Eis erkennen, wenn Eisverkäufer und Eisverkäuferinnen es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen und sie anscheinend nicht verpflichtet sind, sich an die Vorgaben des Deutschen Lebensmittelbuches zu halten? Ein paar Indizien für gutes oder eben nicht so gutes Eis gibt es dann doch.

Sieht hübsch aus, zeugt allerdings nicht immer von Qualität. Aufgetürmtes Eis enthält oft Zusatzstoffe.

Hohe Eisberge: Gerne wird das Eis in der Theke hoch aufgetürmt und üppig verziert. Das erfreut das Auge. Allerdings ist das oft ein Hinweis auf Zusatzstoffe, ohne die die Eisberge gar nicht in Form bleiben würden. Emulgatoren sorgen dafür, dass das Eis nicht so schnell schmilzt. Sieht hübsch aus, ist aber nicht zu empfehlen.

Wie Utopia schreibt, steht der oft in Speiseeis enthaltene Emulgator Polysorbat 80 im Verdacht, Übergewicht und Darmentzündungen zu begünstigen. Lecithin hingegen ist unproblematisch – stammt aber aus der Sojapflanze. Hohe Eistürme können auch auf unzureichende Kühlung hindeuten – was wiederum nicht sonderlich hygienisch ist. Ein Blick auf die Schürzen und die Eisportionierer und -behälter kann laut Utopia Aufschluss über den Umgang mit Hygiene geben.

Gutes Eis erkennen: Bei knalligen Farben helfen Eisdielen gerne nach

Pfützen auf Fruchteis: Das Format Marktcheck des SWR rät zur Vorsicht, wenn sich vor allem auf Fruchteis Pfützen bilden oder wenn die Oberfläche auffällig glänzt. Entweder ist die Eistheke dann zu warm oder es enthält zu viel Zucker.

Knallige Farben: Wenn die Farben von Speiseeis besonders auffällig und grell sind, wurde hier mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgeholfen. Blaues Schlumpfeis, leuchtend grünes Pistazieneis und rotes Erdbeereis – häufig kommen Farbstoffe zum Einsatz. Aber: Wird wirklich ein Farbstoff zugesetzt, muss das angegeben werden. Wird allerdings mit Pflanzenstoffen nachgeholfen, gilt das rechtlich als Zutat und muss nicht gekennzeichnet werden.

Video: Top 5 Eistrends 2021

Gutes Eis schmilzt gleichmäßig im Mund und die Geschmäcker sind eindeutig

Im Zweifel muss einfach der Geschmack überzeugen. In vielen Eisdielen dürfen Kunden ein paar Sorten probieren, bevor sie sich endgültig für eine Eis-Komposition entscheiden.

Dario Fontanella, Leiter einer Eismanufaktur in Mannheim, erklärt gegenüber dem SRW: „Gutes Eis sollte allmählich und gleichmäßig im Mund schmelzen. Eis, das sich wie Gummi anfühlt, geht gar nicht.“ Außerdem solle man die Eissorten mit geschlossenen Augen erkennen können. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare