Radioaktives Gas

Homeoffice im Keller: Unterschätzte Gefahr für die Gesundheit durch Radon

Immer mehr Menschen arbeiten wegen Corona zuhause. Wenn das Homeoffice im Keller ist, birgt es eine Gefahr - denn die Radonbelastung kann dort besonders hoch sein.

Hamm - Jeder vierte Erwerbstätige in Deutschland bleibt wegen des Coronavirus mittlerweile wieder größtenteils zuhause: 24 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten Ende Januar „vorwiegend oder ausschließlich im Homeoffice“, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung nach ihrer jüngsten repräsentativen Umfrage zur Homeoffice-Nutzung in der Krise mitteilte. Demnach ist der Anteil im Vergleich zum Vormonat Dezember um sieben Prozentpunkte gestiegen. Doch die Arbeit zuhause kann gefährlich sein - wenn man dafür im Keller sitzt. Grund dafür ist eine mögliche Radonbelastung. (News zum Coronavirus)

Radioaktives EdelgasRadon
EntstehungBeim Zerfall von Uran im Erdboden
Risiko bei erhöhter KonzentrationErhöhtes Lungenkrebsrisiko bei dauerhaftem Einatmen

Homeoffice im Keller gefährlich für die Gesundheit? Radonbelastung erhöht Krebs-Risiko

Wegen dieser möglichen Radonbelastung hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS)vor dauerhaftem Homeoffice im Keller gewarnt. „In Kellerräumen werden mitunter Radon-Konzentrationen erreicht, die auf Dauer gesundheitsgefährdend sind“, sagte der BfS-Experte Bernd Hoffmann der Wirtschaftswoche. Die Belastung mit dem natürlich vorkommenden radioaktiven Edelgas sollte daher überprüft werden.

Aber ein radioaktives Edelgas im eigenen Keller? Was für viele erst einmal unwahrscheinlich klingt, ist recht einfach zu erklären. Denn Radon entsteht vor allem beim Zerfall von Uran im Erdboden. In der Außenluft verdünnt sich Radon schnell und stellt dort normalerweise kein Problem dar. In Innenräumen von Gebäuden kann es sich jedoch anreichern.

Homeoffice im Keller gefährlich für die Gesundheit? Radon abhängig von Region

Wird Radon über einen längeren Zeitraum in höheren Konzentrationen eingeatmet, erhöht sich das Risiko für Lungenkrebs. Radon ist eine der häufigsten Ursachen für Lungenkrebs nach dem Rauchen. Jeder Arbeitnehmer sollte sich also trotz der derzeitigen Corona-Situation und möglichen Platzproblemen zuhause überlegen, ober er Homeoffice ausgerechnet im Keller machen sollte.

Nicht in jeder Region muss allerdings das Homeoffice im Keller eine komplett schlechte Idee sein: In Deutschland - auch in NRW - ist Radon abhängig von den regionalen geologischen Beschaffenheiten sehr unterschiedlich verteilt. So sind in der norddeutschen Tiefebene die Radon-Konzentrationen meist niedrig, während sie beispielsweise in den meisten Mittelgebirgen höher liegen. Zuletzt wurden in drei Städten in NRW besonders hohe Radonwerte gemessen.

Homeoffice im Keller gefährlich für die Gesundheit? Messen Sie die Radon-Konzentration

Gemessen wird die Konzentration von Radon meist mit sogenannten Kernspurdetektoren. Die kleinen Döschen, die sich laut BfS jeder bei einem Labor besorgen kann, werden für drei Monate oder länger aufgestellt und später eingeschickt. Eine solche Messung, die etwa 30 Euro kostet, könnte also dabei helfen einzuschätzen, ob man sich dauerhaft mit dem Homeoffice im Keller einen Gefallen tut. „Der Messwert sollte im Jahresdurchschnitt 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten“, sagte Hoffmann.

In einigen besonders belasteten Gebieten würden allerdings 1000 bis 10.000 Becquerel im Keller gemessen. Auf das Homeoffice im Keller müsse trotzdem nicht unbedingt verzichtet werden. Um die Konzentration zu reduzieren, könnten Rohrzugänge und Risse abdichtet werden, kleine Lüftungsanlagen könnten das Gas absaugen, empfiehlt der Experte. Lüften sei hingegen keine dauerhafte Lösung.

Homeoffice im Keller oder anderswo zuhause: Arbeitnehmer geben Auskunft zu ihrem Alltag

Dass das Homeoffice angesichts der Corona-Pandemie immer relevanter wird und zur Lebenswirklichkeit der meisten Arbeitnehmer gehört, ist unstrittig. Mit 24 Prozent der Arbeitnehmer, die Ende Januar 2021 vorwiegend oder ausschließlich zuhause arbeiteten, ist der Prozentsatz nicht ganz so hoch wie im April 2020. Das geht aus der eingangs erwähnten Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor.

Homeoffice ist derzeit das Maß aller Dinge, wenn es darum geht, Arbeitnehmer vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen.

Zum Hintergrund der Studie: Wie schon damals hatte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Böckler-Stiftung auch Ende Januar gut 6200 Erwerbstätige und Arbeitssuchende befragen lassen. 14 Prozent der Befragten hatten den Angaben zufolge zuletzt wechselnde Arbeitsorte, arbeiteten also sowohl im Büro als auch im Homeoffice oder unterwegs - im Dezember waren es 13 Prozent gewesen. Ende Januar arbeiteten den Angaben zufolge noch 60 Prozent der Erwerbstätigen überwiegend oder ausschließlich im Betrieb, fünf Prozentpunkte weniger als im Vormonat.

Homeoffice im Keller oder in anderen Räumen zuhause: Anstieg durch „öffentlichen Druck“

Das WSI begründete den Anstieg der Heimarbeit in erster Linie mit den zwischenzeitlich verschärften politischen Corona-Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie. So erklärte etwa jeder dritte Befragte, der im Januar hauptsächlich zuhause arbeitete, die Beschlüsse der Bundesregierung seien ein Grund für einen Wechsel ins Homeoffice gewesen. Erst „der enorme öffentliche Druck“ auf die Arbeitgeber „und schließlich die Verordnung zum Homeoffice haben zu einer Ausweitung des Angebots von mobiler Arbeit geführt“, erklärte WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch.

Allerdings scheine es in manchen Unternehmen „immer noch Druck auf die Beschäftigten zu geben, im Betrieb zu arbeiten, auch wenn dies zumindest nach Einschätzung der Beschäftigten nicht nötig wäre“. Den Angaben zufolge arbeiteten Ende Januar fünf Prozent aller Befragten „überwiegend im Betrieb“, obwohl sie „ihre Präsenzarbeit eigentlich weiter reduzieren wollten und ihre Tätigkeit für Homeoffice geeignet halten“. Gut jeder zweite Betroffene gab demnach an, dass sein Arbeitgeber ihn von mehr Heimarbeit abhalte. „Selbst bei vorsichtiger Schätzung“ betrifft dieser Umstand laut WSI „noch einige hunderttausend Erwerbstätige“ in Deutschland.

Der Lockdown geht unterdessen auch in NRW weiter. Es gelten somit noch immer strenge Corona-Regeln. Das Land hat die Schutzverordnung verlängert - aber nur um eine Woche. So langsam fragen sich die Menschen, wann endlich Licht am Ende des Tunnels zu erkennen sein wird. Zumindest in Sachen Osterurlaub 2021 hat allerdings ein Spitzenpolitiker eine düstere Prognose abgegeben. - mit Material von AFP

 

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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