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Gravis akzeptiert kein Bargeld mehr: Rewe, Aldi und Co. reagieren

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Von: Sven Schneider

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Sind die Tage für Bargeld gezählt? Apple-Händler Gravis setzt ausschließlich auf Kartenzahlung. Rewe, Aldi und weitere reagieren auf die Entscheidung.

Hamm - Ein Geschäft mit einem prall gefüllten Portemonnaie zu betreten und dennoch nicht die gewünschte Ware bezahlen zu können, ist 2023 Realität geworden. Apple-Händler Gravis hat beschlossen, kein Bargeld mehr anzunehmen. Ein realistisches Szenario für weitere Händler?

Wird bargeldloses Bezahlen Pflicht? Verbraucherzentrale bezieht Stellung

„Ab heute können unsere Kunden ausschließlich bargeldlos, das heißt mit Kredit- und Debitkarten, mobilen Zahlungen und digitalen Wallets oder per Gravis Abo zahlen“, schrieb Apple-Händler Gravis am Montag in einer Mitteilung. Worte, die sich weitere Händler für die Zukunft bereits gespeichert haben? Es herrscht derzeit eine Grauzone.

„Ich halte es für offen, ob das möglich ist“, sagte Rechtsanwalt David Riechmann von der Verbraucherzentrale NRW gegenüber wa.de. Derzeit liege kein Urteil von einem oberen Gericht vor, da die Pflicht des bargeldlosen Zahlens bei Gravis ein völlig neues Thema ist in der Branche. Für Online-Händler sowie Fluggesellschaften gelten hingegen völlig andere Regeln, die von oberen Gerichten bereits bestimmt worden sind.

Nach Gravis-Entscheidung: Verbraucherzentrale äußert sich zu Zahlungsmethoden

Generell sei es möglich, dass ein Händler, wie Gravis, die Bezahlung mit Bargeld ausschließt. Dabei sei es allerdings unvermeidlich, den Kunden vor dem Einkauf über die Bezahlmethode zu informieren. „Es ist eine Abwägung des Händlers. Es gibt genügend Menschen, die nicht über eine Bankkarte verfügen oder damit nicht zahlen wollen“, sagte Rechtsanwalt Reichmann und erinnerte zudem an das vergangene Frühjahr 2022. Damals sorgte ein Systemfehler dafür, dass einige Tage lang die Bezahlung per Karte bei vielen Händlern nicht möglich war.

Kunden von Aldi Nord müssen ein ähnliches Szenario wie beim Online-Händler Gravis erstmal nicht befürchten. Zwar würde das Unternehmen eine vermehrte Nutzung der Kartenzahlung registrieren. Gegenüber wa.de bestätigte Aldi Nord aber ein Festhalten an der Bezahlung mit Bargeld. „ALDI Nord möchte als Grundversorger seinen Kunden und Kundinnen einen einfachen und schnellen Einkauf ermöglichen. Daher akzeptieren wir in allen der mehr als 2.200 Märkte sowohl Bargeld als auch bargeldlose Bezahlmöglichkeiten“, sagte ein Sprecher von Aldi Nord.

Händler akzeptiert kein Bargeld mehr – Aldi, Rewe und mehr reagieren

Rewe setzt nach Anfrage von wa.de weiterhin auf die Bezahlung mit Bargeld neben der digitalen Variante. „Bargeld nimmt zwar von Bedeutung ab, stellt aber immer noch die zweitbeliebteste Bezahlform dar. Für uns als Händler haben „digitale“ Versionen auch Handlings- und Versicherungsvorteile. Letztlich ist es uns aber wichtig, unseren Kunde die Entscheidung zu überlassen, wie sie zahlen möchten“, sagte ein Rewe-Sprecher.

Generell beschreibt David Reichmann die Bezahlung per Bargeld oder Karte als „hochemotionales Thema“, welches in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen dürfte. Bis dahin obliegt es dem Händler, welche Bezahlmethoden er zur Verfügung stellt. Eindeutig Stellung dazu bezogen haben auch MediaMarkt und Saturn. Laut den Unternehmen werde die Bargeldzahlung auch weiterhin angeboten. Schwer vorstellbar, dass andere Händler ihr Bezahlkonzept nun über den Haufen werfen.

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