Tandil, Formil und W5

Lieferant von Lidl und Aldi ist pleite: Beliebtes Produkt könnte aus den Regalen fliegen

Aufgrund der Corona-Krise haben die Menschen weniger Waschmittel gebraucht. Mit Folgen für einen Lieferanten von Aldi und Lidl. Müssen Kunden bald auf Billig-Waschmittel vom Discounter verzichten?

NRW – Es muss nicht immer das teure Marken-Waschmittel von Frosch, Lenor oder Persil sein. Viele Verbraucher greifen auch gerne zu günstigen Produkten von Aldi und Lidl – immerhin wurde das Tandil-Waschmittel von Aldi von Öko-Test mit „gut“ * bewertet. Allerdings soll der Hersteller des Billig-Waschmittels nun Insolvenz angemeldet haben, wie RUHR24* berichtet. Hat das Folgen für die Kunden?

Hersteller von Wasch-, Putz-, und ReinigungsmittelnThurn Germany GmbH
HauptsitzNeunkirchen-Seelscheid (NRW)
MarkenU.a. Tandil, Alio, Formil, Senda

Aldi und Lidl: Hersteller von Waschmittel ist pleite – droht das Aus für Tandil, Formil und Co.?

Es ist das zweite Unternehmen innerhalb kürzester Zeit, das Reinigungs- und Waschmittel herstellt und nun insolvent ist. Anfang Juni hatte erst die Sopronem GmbH bekannt gegeben, zahlungsunfähig zu sein. Die Firma steckt hinter Namen wie Putzmeister, W5, Blik oder Zekol – Marken, die man bei Discountern wie Lidl, Aldi oder Penny im Regal mit den Putzmitteln findet. Außerdem stellt Sopronem auch Flüssigwaschmittel* der Marken Tandil und Formil her.

Nun, zwei Wochen später, das Aus für das nächste Unternehmen. Wie die Lebensmittelzeitung berichtete, droht der Thurn Germany GmbH die Zahlungsunfähigkeit. Die Firma hat sich auf die Herstellung von Waschmittel in Pulverform spezialisiert und beliefert damit Discounter wie Aldi und Lidl – ebenfalls unter dem Namen Tandil und Formil (mehr Aldi-News* bei RUHR24)

Aldi und Lidl: Aus für Waschmittel-Lieferant aufgrund der Corona-Krise

Zwei Unternehmen sind insolvent, der Grund ist jedoch derselbe: So sei der Bedarf an Waschmittel während der Corona-Krise* extrem zurückgegangen. Fitnessstudios, Restaurants oder Kultureinrichtungen blieben während des Lockdowns wochenlang geschlossen. Die Folge: Die Menschen brauchen seltener frische Kleidung und die Waschmaschine steht häufiger still.

„Wir hatten seit November signifikante Umsatzeinbußen, die zu siebenstelligen Verlusten geführt haben“, erklärte Peter Schoof, geschäftsführender Gesellschafter bei der Thurn Germany. Insgesamt seien dem Unternehmen mit Sitz in NRW, coronabedingt Umsätze von 20 bis 30 Prozent weggebrochen.

Denn nicht nur die sinkende Nachfrage an Waschmittel, sondern auch die stetig steigenden Rohstoff- und Verpackungspreise* hätten dem Unternehmen immer mehr zu schaffen gemacht. Beides hätte letztendlich zu dem Schritt geführt, Insolvenz anmelden zu müssen, erklärte der Thurn-Manager.

Waschmittel-Hersteller von Lidl und Aldi vor dem Aus: Was heißt das für die Kunden?

Nach Informationen von Chip.de hatten sowohl Sopronem als auch Thurn erst 2019 von Lidl einen Auftrag in Millionenhöhe erhalten um die beliebten Wasch- und Reinigungsmittel des Discounters und die Eigenmarken Formil, Maxitrat und W5 mitzuproduzieren. Offziell bestätigt wurde der Auftrag allerdings nicht (mehr Lidl-News* bei RUHR24).

Welche Folgen hat das aber, wenn beide Waschmittel-Produzenten nun pleite sind? Erwarten Kunden bald leere Regale bei Lidl und Aldi? Oder sind künfitg auch bei den Discountern nur noch Marken-Produkte wie Persil, Lenor und Co. zu kaufen? Wohl kaum.

Lidl-Kunden müssen vorerst nicht auf das Waschmittel Formil verzichten. Mit Sonderangeboten ist allerdings weniger zu rechnen.

Nach eigenen Angaben der Firma Thurn solle die Produktion des Waschmittels an den drei Standorten Genthin, Neunkirchen-Seelscheid sowie im niederländischen Kerkrade in den kommenden zwei Wochen weiterlaufen. Mit Lieferengpässen beim Wasch- und Putzmittel sei daher nicht zu rechnen, so Schoof.

Waschmittel Tandil und Formil bei Aldi und Lidl: So soll die Doppel-Pleite aufgefangen werden

Nach aktuellem Stand gehe man außerdem davon aus, die Geschäfte fortführen zu können. Man suche daher derzeit nach Investoren. Kunden müssen also vorerst nicht auf Waschmittel bei Lidl, Aldi und anderen Discountern verzichten.

Denn auch die Discounter haben für den Fall der Fälle vorgesorgt. Unabhängig von Corona arbeiten Lidl, Aldi und Co. stets mit mehreren Herstellern zusammen, um Produktionsausfälle jederzeit auffangen und ihren Kunden stets volle Regale bieten zu können.

Für die Herstellung ihrer No-Name-Waschmittel Tandil und Formil arbeiten Aldi und Lidl beispielsweise auch noch mit den Dalli-Werken zusammen. Ein Unternehmen in der Nähe von Aachen, das nicht nur Waschmittel für die Discounter herstellt, sondern auch günstige Deos, Hautcremes, Shampoos und Spülmaschinentabs. Unter den Namen Cien, W5 und Tandil sind sie bei Lidl und Aldi zu finden, hinter Denk mit und Balea bei Dm steckt ebenfalls der Konzern.

Waschmittel bei Aldi und Lidl: Kunden müssen wegen Corona auf Schnäppchen verzichten

Dalli hat bislang noch nichts bekannt gegeben, ebenfalls von großen Umsatzeinbrüchen aufgrund von Corona betroffen zu sein. Lidl- und Aldi-Kunden dürften also trotz der Doppel-Pleite nicht auf das Billig-Waschmittel verzichten müssen. Doch auch an den Dalli-Werken gehen die steigenden Rohstoff-Kosten nicht spurlos vorbei.

Experten gehen deshalb davon aus, dass es in nächster Zeit selten Sonder-Angebote beim Waschmittel geben wird. Der Markt müsse sich nach der coronabedingten Pleitewelle erholen, berichtet Chip.de. Kunden sollten sich in nächster Zeit folglich entweder auf einen gleichbleibenden, oder sogar steigenden Preis beim Waschmittel* einstellen. Und vorerst auf Schnäppchen erzichten – aber immerhin nicht auf leere Regale. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jochen Tack/dpa, Patrik Stollarz, Johannes Eisele/AFP, Collage: RUHR24

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