Insektizid ist für Menschen schädlich

Nervengift auf Zitrusfrüchten -  Experte rät dringend zu einer bestimmten Maßnahme

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Zitrusfrüchte enthalten nicht nur Vitamine – vorerst sollten Kunden wegen des Pflanzenschutzmittels Chlorpyrifos Orangen und Co. mit warmen Wasser waschen. 

Orangen, Mandarinen und Co. sind oft mit dem Insektizid Chlorpyrifos belastet. Der Ernährungsexperte Sven-David Müller erklärt den richtigen Umgang mit den belasteten Früchten.

  • Orangen und Mandarinen sind oft mit Nervengift belastet
  • Vor allem bestimmte Teile der Früchte sind betroffen 
  • Ein Experte erklärt, wie man sich als Verbraucher vor dem Nervengift schützen kann
  • Insektizid Chlorpyrifos wurde nun verboten
  • Das Gift kann weitreichenden gesundheitliche Folgen haben

Orangen und Mandarinen versprechen einen Vitaminkick. Wer nicht zu Bio-Früchten greift, bekommt jedoch eine Dosis Nervengift obendrauf. 

Am 6. Dezember hat die Europäische Kommission den Einsatz des Insektizids Chlorpyrifos verboten. Doch was bedeutet die getroffene Entscheidung für den Verbraucher? Wie sollte der Umgang mit belasteten Früchten aussehen? Wir haben mit dem Braunschweiger Ernährungsexperten Sven-David Müller darüber gesprochen.

Ab wann gilt das Verbot?

Ende Januar läuft die Zulassung des Pflanzenschutzmittels Chlorpyrifos aus. Sie wurde nicht verlängert, weil die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) vor Gefahren besonders für Kinder warnte.

Das von der EU-Kommission beschlossene Verbot des Insektizids verpflichtet die EU-Staaten, die Zulassung für die Chemikalie zurückzuziehen. Danach können sie noch eine Übergangsfrist für Gebrauch, Lagerung oder Entsorgung von maximal drei Monaten gewähren.

Welche Teile der Zitrusfrüchte enthalten Spuren von Chlorpyrifos?

Das Insektizid wird laut dem Braunschweiger Ernährungsexperte Sven-David Müller auf die Früchte aufgebracht. Da es nicht wasserlöslich ist, kann das Gift nicht über die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen werden und bleibt nur an der Schale haften, wo es das Eindringen von Insekten vermeiden soll.

Kann ich bis zur Umsetzung des Verbots noch Orangen und Mandarinen essen?

„Ja“, sagt Müller. Allerdings sollte die Frucht zuerst heiß abgewaschen werden – am besten mit Spülmittel, denn der Schmelzpunkt von Chlorpyrifos liegt bei 42 Grad Celsius. Danach sollte die Orange oder Mandarine noch mit einem Tuch abgerieben werden.

Nach dem Schälen der Früchte und vor dem Verzehr rät Müller dazu, die Hände zu waschen, damit das Gift nicht über die Hände auf das Fruchtfleisch übertragen wird. Die ungeschälten Früchte sollten nicht mit anderen Nahrungsmitteln in Berührung kommen und deshalb nicht neben Keksen auf einen Weihnachtsteller gelegt werden.

Wie giftig ist das Insektizid?

„Chlorpyrifos ist ein Nervengift, das auch bei Menschen und Tieren wirkt“, sagt der Experte. Es sei eine hochgiftige, gefährliche Substanz. „Je weniger ein Mensch davon aufnimmt, desto besser.“

Bereits vor acht Jahren kam eine Langzeitstudie aus Kalifornien zu dem Ergebnis, dass das Pflanzenschutzmittel insbesondere Auswirkungen auf das kindliche Gehirn von Ungeborenen im Mutterleib haben kann.

Es soll den Intelligenzquotienten von Kindern senken und zu Aufmerksamkeitsstörungen führen. Schwangere Frauen sollen laut Müller deshalb nur Früchte aus kontrolliert ökologischem Anbau essen.

Wieso sind Bio-Früchte die bessere Wahl?

Sie werden nicht mit synthetischen Pestiziden behandelt. Allerdings empfiehlt Müller, darauf zu achten, dass die Früchte mit einem ernst zu nehmenden Siegel gekennzeichnet sind. Dazu zählen das EU-Biosiegel (weiße Sterne vor hellgrünem Hintergrund) und das staatliche Bio-Siegel (sechseckiges Zeichen mit dem Schriftzug „Bio“).

Sind Zitronen ebenfalls betroffen?

Auch diese Zitrusfrucht ist laut Müller mit Chlorpyrifos belastet. Und bei Zitronen lauere sogar die größte Gefahr. Ihre Schale werde beispielsweise in Kuchenteig gerieben und „vor dem Auspressen werden sie nie abgewaschen.“ Außerdem landen Zitronenscheiben oft in Wasser, Tee, Cocktails und Limonaden.

Bei welchem Obst und Gemüse wird das Insektizid sonst noch eingesetzt?

Beispielsweise bei Mais oder Sojabohnen, sagt Müller. Chlorpyrifos schützt vor Schädlingen wie Schild- und Blattläusen, Raupen, Fliegen, Termiten und Schaben.

Wird Chlorpyrifos auch in Deutschland von Landwirten verwendet?

Hier ist das Insektizid schon seit einigen Jahren nicht mehr zur Anwendung zugelassen. Allerdings stammen die Zitrusfrüchte in deutschen Supermärkten und Discountern aus Spanien, Italien, der Türkei, Griechenland und Marokko, wo Chlorpyrifos eingesetzt wird.

Deckt das Verbot innerhalb der EU auch Importe von mit Chlorpyrifos belasteten Früchten aus nicht-europäischen Ländern ab?

Nein. Deshalb fordert der Bundestagsabgeordnete Harald Ebner (Bündnis 90/Die Grünen): „Ein nächster Schritt muss nun ein EU-weites Importverbot für Mandarinen, Orangen und andere Lebensmittel mit Chlorpyrifos-Rückständen sein.“

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