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Aiwanger sieht 2G-Pflicht im Handel kritisch: „War nie Pandemie-Treiber“ – und fordert Hilfen für Betriebe

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Von: Thomas Schmidtutz

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Hubert Aiwanger: Der bayerische Wirtschaftsminister sieht die geplante 2G-Pflicht im Handel mit Skepsis.
Hubert Aiwanger: Der bayerische Wirtschaftsminister sieht die geplante 2G-Pflicht im Handel mit Skepsis. © Matthias Balk/dpa

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat sich angesichts der bundesweiten 2G-Pflicht für Handel und Gastronomie für weitere staatliche Hilfen ausgesprochen.

München - Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat zurückhaltend auf die geplante 2G-Pflicht im Handel reagiert. „Der Einzelhandel war nachweislich nie ein Pandemie-Treiber“, erklärte Aiwanger (Freie Wähler) am Donnerstagnachmittag gegenüber Merkur.de*. Dies hätten auch die geltenden Vorgaben im Einzelhandel wie die FFP-2-Maskenpflicht oder die Höchstkunden-Zahl verhindert. Nach den unlängst verschärften Regeln ist im Freistaat derzeit nur ein Kunde je zehn Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt. Bei Inzidenzen über 1000 muss der Einzelhandel – mit Ausnahme von Geschäften des täglichen Bedarfs wie Supermärkte oder Drogerien – schließen.

Aiwanger zeigte sich besorgt über die möglichen wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe des stationären Einzelhandels. Die auf der Bund-Länder-Konferenz am Donnerstag verabschiedete Ausweitung der 2G-Regeln auf den Handel sowie die entsprechende Kontrollpflicht bringe „Aufwand, Aussperrungen von Kunden und Verlagerung der Umsätze weg von inhabergeführten Strukturen hin zum Onlinehandel“, sagte der Chef der Freien Wähler. Diese Entwicklung müsse man „genau beobachten“.

2G-Regeln: Aiwanger fordert weitere Hilfen für den Handel

Angesichts der verschärften Vorgaben sprach sich Aiwanger zugleich für weitere Hilfen für den Handel aus. Größere Umsatzverluste im stationären Einzelhandel müssten „auch wieder vom Steuerzahler abgepuffert werden“, forderte der Politiker.

Im Kampf gegen die Corona*-Pandemie hatten sich Bund und Länder am Donnerstagnachmittag auf schärfere Regeln geeinigt. Neben Kontakt-Beschränkungen für Ungeimpfte sehen die Pläne auch eine 2G-Pflicht in Restaurants, Gaststätten, Kinos oder Theatern vor. Zusätzlich kann auch ein aktueller Test (2G Plus) verlangt werden. Auch im Einzelhandel soll demnächst grundsätzlich 2G gelten. Davon ausgenommen sind lediglich Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte oder Drogerien. Bei hohen Corona-Zahlen können außerdem Clubs und Diskotheken geschlossen werden. Dies gilt spätestens ab einer Inzidenz von 350 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.  

2G-Regeln und Kontroll-Pflicht: Handelsverband entsetzt

Beim Handelsverband HDE treffen die angekündigten Regeln auf völliges Unverständnis. 2G im Einzelhandel sei „überflüssig“ und komme die Branche mitten im Weihnachtsgeschäft „teuer zu stehen“, erklärte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Donnerstag gegenüber Merkur.de. „Die Handelsunternehmen müssen zusätzliches Personal für die Kontrollen einstellen und verlieren Kunden, die von den Schlangen vor den Ladentüren vom Einkauf abgeschreckt werden. Und das alles nur, weil die Politik offenbar den Einzelhandel als Symbol ausgewählt hat, um die bisher Ungeimpften zu einer Impfung zu bringen“, sagte Genth in einer ersten Reaktion. 

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Bayern zeigte sich hingegen zwiegespalten. Zwar seien die Beschlüsse „hart“ und viele Mitgliedsbetriebe seien schon jetzt „wirtschaftlich maximal belastet“, sagte Landesgeschäftsführer Thomas Geppert am Donnerstagabend gegenüber Merkur.de*. Doch seien die Maßnahmen „notwendig“, um die Probleme im Gesundheitssystem in den Griff zu kriegen. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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