Ladensterben droht

Innenstädte vor dem Aus? 50.000 Geschäfte in Gefahr - Altmaier in Sorge um „kulturelle Identität“

Im Schaufenster eines Geschäfts hängt ein Schild, auf dem „Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe“ zu lesen ist.
+
Immer mehr Läden müssen wegen der Corona-Krise dichtmachen.

Große Shopping-Tempel und Online-Händler machen den kleineren Läden zu schaffen, die Corona-Krise hat die Lage verschärft. Nun bläst Wirtschaftsminister Altmaier zur Rettung der Stadtzentren.

  • Wegen der Corona-Krise müssen immer mehr kleine Läden schließen.
  • Wirtschaftsminister Peter Altmaier bat deshalb nun Experten zu einem runden Tisch.
  • Es mangelt nicht an Ideen - bisher aber an einem echten Konzept.

Berlin - Ob Bücher, Spiele, Kleidung oder Haushaltsgeräte: Zum Einkaufen muss man heute kaum noch das Sofa verlassen. Der Trend zum Online-Shopping geht auf Kosten kleinerer Geschäfte und damit auch der deutschen Innenstädte, die zunehmend veröden. Die Corona-Pandemie* verschärft die Lage für Händler zusätzlich - nun will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ihnen unter die Arme greifen. Und zwar nicht nur mit Überbrückungshilfen gegen die Corona-Folgen*, die bis Mitte 2021 verlängert werden. Ziel sei eine „Trendwende“ hin zu mehr neuen Geschäften und lebendigen Stadtzentren, sagte der CDU*-Politiker am Dienstag in Berlin.

Aber wie genau? Um das zu erörtern, hatte Altmaier mehr als 20 Expertinnen und Experten zum digitalen Austausch gebeten. Weitere Gespräche sollen folgen, an deren Ende ein schnell umsetzbares Handlungskonzept stehen soll. 2021 solle das Ladensterben gestoppt und 2022 umgekehrt werden, sagte Altmaier - dann sollten es wieder mehr Menschen wagen, sich in den Innenstädten selbstständig zu machen. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Fragen, sondern um die kulturelle Identität.

Innenstädte vor dem Aus? Ladensterben droht - 50.000 Geschäfte in Gefahr

Doch der Weg dahin ist weit. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth, sieht derzeit bundesweit bis zu 50.000 Geschäfte in Gefahr.* Der Umsatz liege derzeit im Schnitt etwa 30 Prozent unter dem Normalwert - weil die Leute Corona*-bedingt weniger in die Städte gingen. Altmaier betonte, dass die Coronavirus*-Pandemie die Probleme vergrößere, leere Geschäfte aber kein neues Phänomen seien.

Schon vor der Corona-Krise* habe der Einzelhandel in einigen Bereichen bis zu 30 Prozent des Umsatzes an Online-Händler abgeben müssen, dazu komme die Konkurrenz durch Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“. Digitalisierung ist aus Sicht der Experten einer der Schlüssel - oder auch die „Verlängerung der Ladentheke ins Internet“. Sprich, Kunden sollen nicht nur bei Amazon, Zalando und anderen großen Händlern online shoppen können. „Es geht nicht darum, den Online-Handel gegen den stationären Handel auszuspielen“, betonte Altmaier. Aber von den Vorteilen der Online-Ökonomie sollten auch Einzelhändler profitieren.

Innenstädte in Gefahr: Verbände fordern Hilfsprogramm - Online-Handel als Ausweg?

Der HDE fordert dafür ein Hilfsprogramm für Händler, also finanzielle Unterstützung, aber auch Begleitung durch Fachleute. Solche konkreten Zusagen machte Altmaier am Dienstag aber noch nicht - sie könnten Teil des angestrebten Konzeptes werden. Einen Zeitplan dafür nannte Altmaier nicht. Konkret kündigte der Minister aber an, sich erneut für mehr Sonntagsöffnungen während der Corona-Krise* einzusetzen - für den Sommer sei das mit dem Koalitionspartner SPD* nicht zu machen gewesen. Werde man sich weiter nicht einig, sollten Bundesländer vorangehen.

Digitalisierung ist für den Einzelhandel im Jahr 2020 natürlich kein Neuland mehr. Es gibt bereits Workshops und Programme. „Kunden wollen rund um die Uhr einkaufen“, sagte Tina Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung von Douglas. Dass die Drogerie-Handelskette online stark sei, habe ihr während der Hochphase der Corona-Krise* zu Wachstum verholfen, sagte sie. Heute kämen fast 40 Prozent des Umsatzes aus dem Netz-Geschäft.

Video: Auch ohne Corona: Institut sagt größeres Ladensterben voraus

Diese Möglichkeit hätten kleinere Händler oft nicht, es brauche Konzepte zur Unterstützung. Stationärer Handel stehe aber auch für Beratung und Begegnung, was ihn einzigartig mache. Mehrere Unternehmen, darunter Douglas oder Vodafone, haben bereits Plattformen und „Marktplätze“ gegründet, über die sie kleineren Händlern helfen, Produkte online zu vermarkten. Der Verband HDE hat gemeinsam mit Amazon im September ein Programm gestartet, das Wissen zum Online-Handel vermitteln soll. (dpa/fmü) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare