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Arbeitgeber-Präsident schlägt Alarm: „Stehen vor der größten Krise, die das Land je hatte“

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Von: Thomas Schmidtutz

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Rainer Dulger: Der Arbeitgeberpräsident sieht Deutschland vor schwierigen Jahren.
Rainer Dulger: Der Arbeitgeberpräsident sieht Deutschland vor schwierigen Jahren (Archivfoto). © Kay Nietfeld/dpa

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger sieht Deutschland angesichts der Gaskrise vor schwierigen Jahren. Die deutsche Wirtschaft stehe vor „ernsten Problemen“, warnte er jetzt in einem Interview.

München - Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat angesichts der Gaskrise vor einem dramatischen Wirtschaftseinbruch gewarnt. „Es sieht so aus, als ob Russland das Gas stark verknappt oder auf Dauer gar nichts mehr liefert“, sagte Dulger der Süddeutschen Zeitung. „Wir stehen vor der größten Krise, die das Land je hatte“.

Die deutsche Wirtschaft sei ohnehin bereits angeschlagen. Die Industrie habe bereits 2019 das erste Rezessionsjahr erlebt. „Dann stiegen die Preise stark, dann kam der Ukraine-Krieg und jetzt kommt Corona zurück“, sagte Dulger.

Wir werden den Wohlstand, den wir jahrelang hatten, erstmal verlieren.

Rainer Dulger, Arbeitgeber-Präsident

Ein möglicher Gas-Lieferstopp würde die deutsche Wirtschaft jetzt „vor ernste Probleme“ stellen. Chemie- oder Gasanlagen müssten abgestellt werden. Die Folgen blieben aber „nicht auf die Industrie beschränkt, sondern trifft alle.“ Dies sei eine „völlig neue Situation. Wir müssen uns ehrlich machen und sagen: Wir werden den Wohlstand, den wir jahrelang hatten, erstmal verlieren.“

Arbeitgeber-Präsident fordert radikale Kurskorrektur in Energiepolitik

Angesichts des möglichen Gas-Lieferstopps forderte Dulger zugleich eine radikale Kurskorrektur in der Energie-Politik. Entgegen der bisherigen politischen Festlegung gelte es nun „neben Gas auch die beiden Säulen Atom und Kohle zu nutzen, um glimpflich aus der Sache herauszukommen.“ Bei Kohle habe die Bundesregierung bereits die Weichen gestellt. Um eine Diskussion über eine mögliche Laufzeitverlängerung für die drei verbliebenen Atomkraftwerke werde man aber „nicht herumkommen“, mahnte der Arbeitgeber-Präsident.

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Zugleich appellierte Dulger an die Bundesregierung, von der geplanten Beitragserhöhung für die Gesetzliche Krankenkasse abzulassen. Dies belaste „Unternehmen und Beschäftigte, und die Lohn-Preis-Spirale dreht sich immer schneller. Höhere Krankenkassenbeiträge wären also falsch. Die Defizite der Kassen sollte lieber der Staat durch Zuschüsse und Reformen auffangen.“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte vor wenigen Tagen angekündigt, den Kassenbeitrag ab dem kommenden Jahr auf den neuen Rekordwert von 16,2 Prozent des Bruttolohns anzuheben. (utz)

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