Geldspritze für Manroland

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Ein Firmenschild der Manroland AG, aufgenommen am Haupteingang des Werks des Druckmaschinenherstellers in Augsburg.

Augsburg - Gute Nachricht für die Manroland-Beschäftigten: Der insolvente Druckmaschinenhersteller ist wieder flüssig. Banken leihen der 1845 gegründeten Augsburger Traditionsfirma zehn Millionen Euro.

Die schlechte Nachricht: Das Geld wird nach Auskunft von Branchenkennern höchstens einige Wochen reichen. Vielleicht sei es genug, um die Löhne bis Ende Januar zu bezahlen, sagen Gewerkschafter. Dann stünden Massenentlassungen bevor.

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So sieht der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild die Politik weiter in der Verantwortung. Mit dem Kredit von zehn Millionen Euro sei lediglich die Zeit überbrückt, die zur Fortsetzung der Geschäftstätigkeit notwendig sei, sagte Schild am Freitag im Gespräch mit hr-online. “Davon, dass die Jobs gesichert sind, sind wir allerdings noch weit entfernt.“ Schild forderte Landes- und Bundespolitik zum Eingreifen auf, “damit Druckmaschinen-Standorte nicht einfach abgeknipst werden.“ Manroland hat einen Standort im hessischen Offenbach.

Wer ist im DAX?

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Insolvenzverwalter Werner Schneider schaut lieber auf die positive Seite. “Die Fortführung der Produktion und der Geschäftsbetrieb bei Manroland sind damit gewährleistet“, erklärte der Wirtschaftsprüfer am Freitag. “Das Unternehmen kann mit Kunden und Lieferanten weiterarbeiten und wir schicken ein sehr positives Signal an den Markt.“ Doch auch er weiß, dass Entlassungen in großem Stil bei dem Unternehmen mit 6.500 Beschäftigten unvermeidlich sind.

Nach Angaben des Unternehmens erhält Manroland von seinen Gläubigerbanken einen Massekredit über 55 Millionen Euro, davon zehn Millionen Euro als Barkreditlinie. Das Geld stehe “ab sofort zur Verfügung“, sagte Schneider der Nachrichtenagentur dapd.

Insolvenzverwalter: Produktion vorerst gesichert

Wie in solchen Fällen üblich, gehen die Banken damit auf Nummer sicher, weil die Insolvenzmasse den Kredit deckt und Massekredite vorrangig vor anderen Forderungen bezahlt werden. Die verbleibenden 45 Millionen Euro sind ein sogenannter unechter Massekredit. Dabei geben Gläubigerbanken einen Teil der an sie abgetretenen Forderungen frei. Die Freigabe bringt dem Schuldnerunternehmen die benötigte Liquidität, ohne dass die Bank neue Kreditmittel zur Verfügung stellen muss, hieß es.

Mit dem Kredit ist Schneider zufolge die Produktion für die kommenden Monate gesichert. Die Arbeitsplätze bei Manroland können nach Einschätzung des Insolvenzverwalters aber nicht alle erhalten bleiben.

Die Mitarbeiter in Augsburg treffe es wegen der günstigen Arbeitsmarktlage dabei weniger hart als die Beschäftigten an den beiden anderen deutschen Standorten Offenbach und Plauen, sagte Schneider der Nachrichtenagentur dapd. Dies hänge davon ab, ob “eine Gesamtlösung für Manroland stattfinden wird“. Die Insolvenz trage nicht dazu bei, “dass plötzlich überflüssige Arbeitsplätze ihre Berechtigung erhalten“.

Problem Kartellrecht

Schneider betonte, es sei problematisch, dass in den “letzten drei Jahren der Weltmarkt um die Hälfte, von sechs auf drei Milliarden Euro, eingebrochen ist“. Das hänge unter anderem mit der Digitalisierung der Printmedien und dem geänderten Verhalten der Anzeigenkunden zusammen.

Als eine mögliche Lösung für das Unternehmen schwebt Schneider eine Fusion der drei Weltmarktführer bei Großdruckmaschinen vor, die alle aus Deutschland kommen. Neben Manroland sind das Heidelberger Druckmaschinen und Koenig & Bauer. Dagegen steht aber das EU-Kartellrecht.

Daher fordert Schneider von der Bundesregierung, in Brüssel “für den Industriestandort Deutschland ungünstige Kartellentscheidungen auch mal politisch zu korrigieren“. Tausende Mitarbeiter hatten am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Von Roman Keßler

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