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Homeoffice-Pflicht: Was Arbeitnehmer über die Corona-Regel wissen müssen

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Von: Tobias Hinne-Schneider

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Die Homeoffice-Pflicht gilt in Deutschland wieder. Was Arbeitnehmer jetzt zu Rechten, Pflichten und Ausnahmen jetzt über die Corona-Regel wissen müssen. 

Hamm - Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen. Die 7-Tage-Inzidenz in Nordrhein-Westfalen hat eine wichtige Marke geknackt. Die Zahl der Neuinfektionen steigt im bevölkerungsreichsten Bundesland wieder an. Um die vierte Corona-Welle zu brechen, haben Bundesrat und Bundestag entsprechenden Änderungen im Infektionsschutzgesetz zugestimmt, die die Ampel-Parteien - SPD, FDP und Grüne - vorgeschlagen haben. Die Politik setzt neben der 3G-Regel am Arbeitsplatz wieder auf eine generelle Homeoffice-Pflicht. Was gilt künftig für wen am Arbeitsplatz und ab wann? Die wichtigsten Informationen im Überblick.

BundeslandNordrhein-Westfalen
MinisterpräsidentHendrik Wüst (CDU)
Einwohner17.925.570 (31. Dez. 2020)

Homeoffice-Pflicht: Ab wann gilt sie? Was Arbeitnehmer wissen müssen

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger unterstützt die Wiedereinführung der Homeoffice-Pflicht in dafür geeigneten Berufen. Das hat eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey ergeben, im Auftrag der „Augsburger Allgemeinen“.

Demnach sind 61 Prozent für eine verpflichtende Regelung, wenn das Arbeiten von zu Hause aus möglich ist. 28 Prozent sind gegen eine staatliche Vorgabe, 11 Prozent waren unentschieden.

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Homeoffice-Pflicht: Welche Regeln wurden jetzt verabschiedet?

Sie soll eine wichtige Maßnahme im Kampf gegen hohe Corona-Infektionszahlen sein: die Homeoffice-Pflicht. In Deutschland soll sie nach einem halben Jahr Pause zurückkommen. Im Juni 2021 war die Homeoffice-Pflicht ausgelaufen. Die Neuerung im Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass Beschäftigte - wann immer möglich - wieder im Homeoffice arbeiten. Arbeitgeber müssen Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anbieten, diese zu Hause auszuführen, „wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“. Beschäftigte müssen das Angebot laut Gesetzestext auch annehmen, wenn ihrerseits keine Gründe entgegenstehen. „Wo immer es möglich ist“, solle die Homeoffice-Regelung gelten, sagte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), um die Regelung möglichst weit zu fassen.

Was ist das Ziel der Homeoffice-Pflicht?

Mit der Homeoffice-Pflicht sollen die Kontakte reduziert werden „und das allgemeine Infektionsgeschehen in Deutschland effizient“ eingedämmt werden. Dabei spielt der Impfstatus der Mitarbeiter keine Rolle, auch nicht, ob sie getestet oder genesen sind. Die Homeoffice-Pflicht gilt für alle.

Gibt es Ausnahmen von der Homeoffice-Pflicht?

Im Gesetzestext heißt es: Arbeitgeber müssen das Arbeiten von zu Hause anbieten, „wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“. Im Umkehrschluss heißt das: Es gibt Ausnahmen. Als Erklärung für „betriebsbedingte Gründe“ wird im Gesetzestext eine „erhebliche Einschränkung der Betriebsabläufe“ genannt. Beschäftigte müssen das Homeoffice-Angebot zwar annehmen, aber auch für Sie gibt es Spielraum. Denn Beschäftigte müssen nur ins Homeoffice, „wenn ihrerseits keine Gründe entgegenstehen“. Dabei genügen als Begründung bereits Gründe wie Platzmangel oder Ablenkung durch Kinder.

Ab wann soll die Homeoffice-Pflicht gelten?

Die neuen Corona-Regeln für Büros und Betrieb gelten ab dem 24. November.

Ein Mann arbeitet im Homeoffice.
Ein Mann arbeitet im Homeoffice. © Sebastian Gollnow/dpa

Welche Auswirkungen hat die 3G-Regel am Arbeitsplatz auf das Homeoffice?

Keine. Arbeitsplätze im Homeoffice sind keine Arbeitsstätten, heißt es vom Bund. Beschäftigte, die ausschließlich von zu Hause aus arbeiten, brauchen keinen Nachweis. Ein Anspruch für ungeimpfte oder nicht genesene Beschäftigte auf der Arbeit im Homeoffice lasse sich daraus aber nicht ableiten.

Was sagen Arbeitgeber und Gewerkschaften zur Homeoffice-Pflicht?

Die Pläne seien Ausdruck der Planlosigkeit der Corona-Politik, kritisiert dagegen der Geschäftsführer des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, Markus Jerger, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Mehrzahl der Mittelständler habe längst individuelle betriebliche Lösungen gefunden für die Präsenzarbeit während der Corona-Pandemie: „Für ganze Branchen, etwa im Einzelhandel oder in Handwerksbetrieben war und ist Homeoffice ohnehin nicht praktikabel“, sagte Jerger: „Deshalb sagen wir Nein zu einer Wiederauflage der Homeoffice-Pflicht.“ Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßt die Homeoffice-Pflicht. Angesichts dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen sei es „richtig, dass Arbeitgeber erneut verpflichtet sind, wo immer möglich Homeoffice anzubieten“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Auch dass Beschäftigte dieses Angebot grundsätzlich ernst nehmen müssen, ist in der jetzigen Situation richtig und wichtig“, ergänzte er. Allerdings dürfe niemand gezwungen werden, im Homeoffice zu arbeiten. „Dass das Arbeiten von zu Hause aus nicht möglich ist, muss als Zuruf ausreichen“, so Hoffmann. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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