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„Herzlich eingeladen“: Russland bettelt um Einstieg türkischer Firmen - mit Erfolg

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Von: Patricia Huber

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Die westlichen Sanktionen haben schmerzhafte Lücken in der russischen Versorgung gerissen. Das nutzt die Türkei geschickt aus.

Moskau/Ankara – Wegen des Ukraine-Krieges hat sich die Zahl der in Russland ansässigen westlichen Unternehmen drastisch reduziert. Große Firmen wie McDonald‘s, Ikea oder H&M haben ihre Geschäfte dort mittlerweile komplett beendet. Durch die große Rückzugswelle ist eine Lücke entstanden – die türkische Firmen offenbar für sich entdeckt haben.

Türkei: Geschäfte mit Russland stark gewachsen

Die Türkei hat keine Sanktionen gegen Russland erlassen. Exporte nach Russland sind also erlaubt und das nutzen die türkischen Firmen auch aus. Die Exporte aus der Türkei sind im Vergleich zum Vorjahr um 46 Prozent gestiegen, berichtet das Handelsblatt. Alleine im Juli stiegen sie sogar um 75 Prozent. Am deutlichsten ist der Export-Anstieg bei Waren nach Russland. Der Anteil beträgt jetzt 3,9 Prozent – was in etwa so viel ist wie die Exporte nach Italien oder in den Irak.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat seinem Land durch den Verzicht auf die Sanktionen einen wirtschaftlichen Vorteil verschafft. Statt eines Rückzugs nutzen die türkischen Firmen die entstandenen Lücken im Land. Rund 3000 dieser Betriebe sind laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass noch in Russland tätig – an ein Ende der Geschäfte ist nicht zu denken.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
Die florierenden Russland-Geschäfte dürften beim türkischen Präsidenten Erdogan für Freude sorgen. © picture alliance/dpa/Turkish Presidency

Russland zeigt sich jedenfalls empfänglich für die Waren aus der Türkei. Der Verband russischer Einkaufszentren (RCSC) wirbt sogar offensiv um türkische Geschäftspartner. Besonders im Textilbereich sind die türkischen Marken heiß begehrt. Sie seien „herzlich eingeladen“, ihr Netz in Russland auszubauen.

Sanktions-Schummelei: Türkei profitiert von Parallel-Importen

Den größten Anteil der Exporte nach Russland machten dabei Chemikalien aus. Aber auch Lebensmittel, Textilien, Elektroartikel und Möbel wurden vermehrt geliefert. Zudem profitieren viele Branchen auch von sogenannten Parallel-Importen, wie das Handelsblatt erklärt. Dabei werden westliche Produkte über Containerschiffe in die Türkei geliefert, dort umgeladen und nach Russland transportiert. So können die Sanktionen über Drittstaaten ganz einfach umgangen werden.

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Doch die Türkei positioniert sich im Ukraine-Krieg nicht klar auf einer Seite. Erdogan pflegt sowohl zur Ukraine als auch zu Russland enge Beziehungen und sieht sich als Vermittler zwischen beiden Parteien. Vor dem Hintergrund der Getreidekrise hatten die Kriegsgegner Ende Juli in Istanbul unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei jeweils getrennt mit Ankara ein Abkommen unterzeichnet. Das soll Getreideausfuhren aus drei ukrainischen Häfen ermöglichen. (ph/dpa)

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