Generationswechsel

Sixts Söhne übernehmen das Steuer des Autovermieters

Vater und Söhne Sixt
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Alexander (l) und Konstantin Sixt (r) übernehmen die Unternehmensleitung von Vater Erich Sixt.

Ein halbes Jahrhundert lang hat Erich Sixt Deutschlands größte Autovermietung geführt. Nun ist er in den Aufsichtsrat gewechselt. Das Unternehmen führen nun Alexander und Konstantin Sixt.

Pullach (dpa) - Generationswechsel an der Spitze von Deutschlands größtem Autovermieter: Eine Woche vor seinem 77. Geburtstag hat Vorstandschef Erich Sixt am Mittwoch das Steuer an seine beiden Söhne Alexander und Konstantin übergeben.

Als Duo wollen sie den Familienkonzern in vierter Generation weiter digitalisieren und zum profitabelsten Autovermieter der Welt machen. Erich Sixt will ihnen als neuer Aufsichtsratschef auf die Finger schauen.

Auf der kurzen virtuellen Hauptversammlung fiel der Führungswechsel gezwungenermaßen nüchtern aus. In normalen Zeiten wäre Erich Sixt sicher gefeiert worden. „Er hat das Unternehmen verkörpert. Er hat es groß gemacht und dabei auch die kleinen Aktionäre nicht vergessen“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Aktionäre hatten mit ihm einmal eine „Ode an die Freude über die Dividende“ gesungen. Sein Spott über Konkurrenten und Politiker, seine Vorschläge für neue Werbung wie Angela Merkels Sturmfrisur im Cabrio sorgten stets für Unterhaltung.

Erich Sixt: „Zeit, das Ruder zu übergeben“

„Es wird Zeit, das Ruder zu übergeben“, sagte Erich Sixt an seinem letzten Arbeitstag als Konzernchef. Ein halbes Jahrhundert lang stand er an der Spitze. Als 25-Jähriger hatte er 1969 die Taxi- und Vermietfirma seines erkrankten Vaters mit 200 Fahrzeugen übernommen und zu einem börsennotierten Konzern gemacht, der immer schwarze Zahlen schrieb. Sogar im Krisenjahr 2020, als der Umsatz von 2,5 auf 1,5 Milliarden Euro einbrach, stand unter dem Strich ein Gewinn von 2 Millionen Euro, während Konkurrent Hertz Insolvenz anmeldete und Avis und Europcar über 500 Millionen Euro Verlust machten.

Die Söhne übernehmen das Steuer in der Corona-Krise. „Eine Prognose ist im Moment unmöglich“, betonte Erich Sixt. An den Flughäfen fehlen die Geschäftsreisenden, aber in den Urlaubsregionen steigt die Nachfrage nach Mietwagen. In den USA sei sie jetzt fast schon auf dem Niveau von 2019. Auch in Europa belebe sich das Geschäft. „Wenn die Lufthansa Jumbos nach Mallorca schickt, sieht man, wo die Reise hingeht“, sagte Erich Sixt. „Wenn es so weitergeht, werden wir einen sehr erfreulichen Sommer haben.“ Das Unternehmen stocke seine stark verkleinerte Flotte wieder auf. Die Preise könnten deutlich steigen. Die Kurzarbeit werde Ende Juni beendet, sagte Konstantin Sixt.

Für die Vorzugsaktionäre gibt es nach der Hauptversammlung 5 Cent Dividende je Anteil, für die Stammaktionäre nichts. Die Familie Sixt hält 58 Prozent der stimmberechtigten Stammaktien.

Sixt: Allerstrengster Kritiker

Vater Sixt als Aufseher seiner Söhne: „Ist das sinnvoll?“, fragte Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. „Unser Vater ist unser allerstrengster Kritiker“, antwortete Alexander Sixt. Bergdolt sagte, ihr stünden „eigentlich die Haare zu Berge“ bei einem direkten Wechsel vom Vorstands- zum Aufsichtsratschef: „Es ist nicht so einfach, das Steuer aus der Hand zu geben und nur noch überwachen zu dürfen. Und Dinge, die falsch gelaufen sind, nun als falsch zu benennen.“ Aber aufgrund seiner Lebensleistung „geh' ich davon aus, dass er es auch in Zukunft gut macht“.

Der Finanzvorstand und der Fuhrparkchef der Sixt SE wurden gerade neu berufen, das Vorstandsressort Van&Truck neu geschaffen - aber die Brüder Sixt sind schon ein eingespieltes Team. Beide studierten in London und Paris Betriebswirtschaft, beide sind seit 2015 im Vorstand: der 42-jährige Alexander Sixt als Verantwortlicher für Strategie, Einkauf und Personal, sein 38-jähriger Bruder Konstantin als E-Commerce- und Vertriebschef.

Sixt: Brüder ergänzen sich

Konstantin wird als kreativer Denker beschrieben, sein älterer Bruder als Macher. Ein Führungstandem „ist nicht einfach“, sagte Bergdolt. „Aber wenn sie sich gegenseitig anregen, befruchten und die besten Ideen sich durchsetzen, kann das positiv sein.“

Eine Revolution sei nicht geplant, hatten beide schon mehrfach betont. Wie ihr Vater setzen auch sie auf die USA als größte Hoffnung für Wachstum. Der Markt ist riesig, die Konkurrenz dort angeschlagen. In ein paar Jahren wollen sie in den USA eine Milliarde Dollar Umsatz erwirtschaften. Außerdem treiben sie die Zusammenführung und die Vernetzung von klassischer Autovermietung, Car-Sharing und Auto-Abos voran. „Wir investieren erheblich in die Digitalisierung des Unternehmens und in Künstliche Intelligenz“, sagte Erich Sixt. „Hier liegt die Zukunft.“

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