Elektromobilität

Erschreckende Studie: Wer E-Scooter fährt, stößt mehr CO2 aus als bei Busfahrt

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E-Scooter können seit einiger Zeit auch im deutschen Straßenverkehr genutzt werden.

E-Scooter sind modern, trendy und geben dem umweltbewussten Städter ein gutes Gefühl. Letzteres leider völlig zu Unrecht. Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt Verstörendes auf.

München - E-Scooter sind seit einigen Wochen auch in deutschen Innenstädten zu sehen. Sie werden genutzt, um kurze Strecken zurückzulegen - beispielsweise von der Bahnstation zum Arbeitsplatz. Die meisten haben kein eigenes Modell, sondern nutzen eines von Verleihern. Es gibt einige Anbieter, die sich um die Gunst der Deutschen bemühen. Viele wollen die vermeintlich umweltschonende Fortbewegungsart unterstützen. Aber sind die E-Scooter wirklich so umweltschonend, wie viele meinen?

Fest steht, dass E-Scooter keinen lokalen Schadstoffausstoß haben, da sie elektrisch angetrieben werden. Das ist ein Vorteil gegenüber Verkehrsmitteln mit einem Verbrennungsmotor. Doch natürlich muss der Strom für den Antrieb hergestellt werden und auch die Produktion der Akkus erfordert viele Ressourcen. Kürzlich hat sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Environmental Research Letters mit der Frage befasst, ob E-Scooter Umweltverschmutzer sind. Der Bericht ist die Auswertung einer Befragung, die US-amerikanische Wissenschaftler durchgeführt haben.

E-Scooter haben eine geringe Lebenserwartung

Das Ergebnis ist erschreckend: E-Scooter haben einen höheren Schadstoffausstoß als ein vollbesetzter Bus! Angenommen wird dabei, dass die Schadstoffemission bei einem Bus bei 82 Gramm CO2 pro Meile und Passagier beträgt. Ein E-Scooter schneidet mit einem CO2-Ausstoß von 88 bis 126 Gramm CO2 pro Meile und Passagier schlechter ab.

In die Kalkulation fließen nicht nur die Produktionsbedingungen in China ein. Ein wichtiger Faktor ist auch, dass sie regelmäßig von großen Transportern eingesammelt werden, um sie über Nacht zu laden. Am nächsten Morgen werden sie dann wieder ausgeliefert, sodass sie die Kunden nutzen können.

Werden die Scooter Tag für Tag im Straßenverkehr genutzt, sind sie nicht besonders langlebig. Das gilt vor allem für den Fakt, dass es Leihgeräte sind. Die Nutzer gehen mit ihnen nicht so sorgsam um, als seien es die eigenen E-Scooter. Laut der Studie der North Carolina State University in Raleigh halten die Geräte nur einen bis zwei Monate.

E-Scooter müssen umweltverträglicher werden

Und noch eine weitere Erkenntnis aus den Befragungen der Nutzer ist überraschend: E-Scooter halten die Befragten davon ab, die letzte Strecke bis zum Ziel zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das hätte nämlich nahezu die Hälfte der befragten Personen gemacht, falls es keinen ausleihbaren E-Scooter gegeben hätte. 

Das bedeutet zugleich, dass E-Scooter die Straßen nicht entlasten, sondern eher verstopfen. Schließlich scheinen sie aus einigen Fußgänger Scooter-Fahrer zu machen. Hinzu kommt: Egal, ob die Personen sich mit dem Rad oder zu Fuß in der Stadt bewegt hätten, beides ist umweltfreundlicher, als einen E-Scooter zu nutzen.

Das Einsammeln der Scooter ist sehr aufwendig. 

Die Studie kommt aber auch zu positiven Erkenntnissen. Zunächst einmal wird herausgestellt, dass es besser sei, als ein Auto zu verwenden, das neun Liter Treibstoff oder mehr pro 100 Kilometer benötige. Diesen Fakt solle man nicht aus den Augen verlieren, heißt es. Dennoch gibt es einige Dinge, die in Angriff genommen werden müssten, damit E-Scooter grüner werden. Dazu zählt, ihre Lebensdauer zu verlängern. Schließlich seien sie eigentlich dazu gemacht, zwei Jahre zu überleben. Eine weitere Aufgabe der Zukunft ist laut den Autoren von Environmental Research Letters, dass das abendliche Einsammeln der Scooter gestrafft wird. Wenn die Abläufe intelligent optimiert werden, müssen die Transporter nicht mehr so weite Wege zurücklegen.

E-Scooter: Geringe Akzeptanz in den USA und in Deutschland

Außerdem gilt es wohl, das Ansehen der elektronischen Scooter zu erhöhen. Häufig kommt es zu Vandalismus, bei dem die Geräte beschädigt oder sogar in Flüssen und Seen versenkt werden. Die Probleme der geringen Akzeptanz existieren nicht nur in den USA, wo die Studie erhoben wurde. Auch in München führen die abgestellten E-Scooter zu Frust bei den Bürgern, wie Merkur.de* berichtet. Aus diesem Grund planen Kommunen, neue Verkehrsregeln einzuführen.

E-Scooter liegen im Trend. Dem Kassenarzt-Chef dagegen sind sie ein Dorn im Auge - sie seien extrem gefährlich. Ein Unfallforscher widerspricht.

Video: Ein Monat E-Tretroller: Eine erste Bilanz

Bei einem Wohnungsbrand in München verletzten sich zehn Personen. Der Hintergrund: Der Akku eines E-Scooters ging in der Wohnung in Flammen auf.

*Merkur.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

dg

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