Institute kappen Prognosen

Hohe Nachfrage, aber kein Nachschub: Materialmangel bedroht Wirtschaftsaufschwung in Deutschland

Der weltweite Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten bremst auch die deutsche Wirtschaft. Das DIW korrigiert seine Prognose nach unten.
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Der weltweite Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten bremst auch die deutsche Wirtschaft. Das DIW korrigiert seine Prognose nach unten.

Elektronik-Chips, Stahl, Papier - die Liste fehlender Vorprodukte wird immer länger. Für die deutsche Wirtschaft wird das allmählich zum Problem.

Berlin/Essen - Der Materialmangel in der Industrie bremst Ökonomen zufolge das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Forschungsinstitute senkten deshalb am Donnerstag ihre Prognosen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet nur noch mit einer Zunahme des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr um 2,1 Prozent. Bisher hatten die Berliner Forscher ein Wachstum von 3,2 Prozent erwartet.

DIW: „Deutscher Konjunkturmotor stottert“

Das Essener RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ist etwas optimistischer, senkte aber ebenfalls seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr, von 3,7 Prozent auf 3,5 Prozent. „Lieferengpässe haben einige Branchen hart getroffen und dämpfen die wirtschaftliche Erholung“, sagte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. Zuvor hatte bereits das IWH in Halle seine Wachstumserwartungen für 2021 deutlich auf 2,2 Prozent verringert.

Weltweite Engpässe bei Vorleistungsgütern ließen die heimische Industrie - trotz starker Nachfrage aus dem In- und Ausland - nicht in Gang kommen. Obwohl die Weltwirtschaft* brumme, stottere der deutsche Konjunkturmotor, hieß es vom DIW. „Es kann nicht produziert werden, obwohl die Nachfrage da ist“, sagte DIW-Konjunkturexperte Simon Junker. Entsprechend habe auch der Export an Schwung verloren und stagniere vorerst.

DIW: Hohe Inflation ist unbedenklich

Die DIW-Forscher erwarten aber, dass sich der Produktionsstau um den Jahreswechsel herum nach und nach auflöst. Da auch die Pandemie ab Frühjahr zunehmend überwunden werde, schwenkten die Dienstleister ebenfalls auf Erholungskurs ein. Für das kommende Jahr wird deshalb mit einem Anziehen der Wirtschaft um 4,9 Prozent gerechnet. Zuvor hatte das DIW 4,3 Prozent prognostiziert. Das RWI erhöhte seine Wachstumsprognose für 2022 von 4,7 Prozent auf 4,9 Prozent.

Wie viele andere Ökonomen und Institutionen bewertet das DIW die höhere Inflation nicht als bedenklich. Die Teuerung sei vor allem Sondereffekten geschuldet, die im kommenden Jahr auslaufen dürften. Ab 2022 werde die Inflation auf 2 Prozent und darunter fallen. Das Essener RWI erwartet für 2022 einen etwas höheren Preisauftrieb von 2,4 Prozent. Im August war die Inflationsrate mit 3,9 Prozent auf den höchsten Stand seit Ende 1993 gestiegen. (dpa) *merkur.de ist ein Teil von IPPEN-MEDIA

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